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Die Sophienkathedrale, das Regierungsbehördengebäude und das Großfürstin Olga Denkmal am Anfang des 20. Jahrhunderts, Kiew
 
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Die Sophienkathedrale, das Regierungsbehördengebäude und das Großfürstin Olga Denkmal am Anfang des 20. Jahrhunderts, Kiew
Samstag, 20 Juli 2019

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Artikel > Christi- Geburt -Kirche in der Unterstadt Podol

 

Wiederhergestellte Christi-Geburt-Kirche

Michail KALNIZKI,

Historiker, Forscher des Kiewer Altertums.   Extra für  «Prime Excursion Bureau».

Alle Kirchen unserer Stadt  feiern Christi-Geburt. Unter diesen gibt es auch solche, für welche dieses  Fest  das kirchliche Fest ist. In der Geschichte Kiews sind wenige Christi-Geburt-Kirchen bekannt. Die bekannteste darunter befindet sich auf dem Postplatz („Potschtovaja“-Ploschtschad) der Unterstadt Podol. Erst vor einigen Jahren wurde diese Kirche aus dem „Nichtsein“ zurückgeholt, in dem sie  viele  Jahrzehnte verblieb. 

 

Die Christi-Geburt-Kirche in Kiewer Podol war seit jeher der erste bedeutende Tempel, der auf dem Weg zur Unterstadt längs Dnepr- Ufers  steht und dadurch eine visuelle Einfahrt  in diesen alten Stadtteil öffnet. Die östliche Fassade der Kirche ist dem Postplatz zugekehrt, die südliche Fassade – der heutigen Pjotr Sagaidatschny-Straße.

 Der Lageplatz der Kirche befindet sich nicht weit von der sog. „Säule des Magdeburger  Rechts“ bzw. „Säule der Christianisierung von Rus“, welche dort aufgestellt ist, wo der Überlieferung zufolge  Großfürst Wladimir seine Söhne getauft werden sollte. In der Gemeinde der Christi-Geburt-Kirche existierte die Meinung, dass die Kirche schon in den Zeiten der Kiewer Rus während der Regentschaft des Großfürsten Wladimir gegründet werden sollte. Diese Annahme entstand nicht ohne Grund. Sie bezog sich auf ein Dokument aus der Sammlung des Kiewer geistigen Konsistoriums, in dem behauptet wurde, dass „…die Christi-Geburt-Kirche ihren Grundstein seit der Taufe durch Fürsten Wladimir 6519 führt…“ (d.h. 1011 nach Chr.). Dieses Dokument (nach der Sprache und Schrift sollte Ende XVI – Anfang XVII. Jahrhunderts geschrieben werden) wurde durch die kompetenten Historiker nicht  ernst genommen, welche dieses für eine Erfindung bzw. eine Fälschung hielten. Zudem fehlten irgendwelche Erwähnungen von Christi-Geburt-Kirche in den Unterlagen bis zum Jahr 1543.


Christi-Geburt-Kirche auf dem Stadtplan 1695

Christi-Geburt-Kirche ist auf dem Stadtplan von 1803 mit dem Letter „Z“ angegeben.

 

Projekt der neuen Kirche (Architekt A. Melensky,1808)

Gerade im Jahr 1543 tauchte Christi-Geburt-Kirche im Volkszählungsbericht des polnischen Königs Sigismund I auf.  Wer ließ diese Kirche bauen und wie sie aussah ist unbekannt.  Bis 1564 sollte sie schon zerstört werden und war Grundstein einer neuen auf Spenden der Kiewer gelegt worden. Diese Kirche wird im Dokument „Befund für Kiew“ von 1682 unter 12 andere Kirchen in Podol erwähnt. Über deren äußere Gestalt kann man zum Teil aufgrunde des Stadtplans beurteilen, der  unter der Leitung des Obersten Uschakov  (1695) erstellt wurde, wo diese Kirche als eine Holzkirche mit einer Kuppel dargestellt ist.

Anfang XVIII. Jahrhunderts war die Kirche niedergebrannt und im Jahre 1717 entstand an deren Stelle die nächste neue Holzkirche mit demselben Namen, die auf Kosten des Bürgermeisters Roman Tichonowitsch gebaut wurde. 1743 geriet sie dennoch in Verfall und es wurde gleich neben dieser mit dem Bau einer neuen Holzkirche auf dem Steinfundament angefangen. Aus Mangel an Geldmittel dauerte der Bau fast vierzig Jahre lang! Es stellte sich dann heraus, dass das fertig gebaute Bauwerk viel weniger existierte, als dessen Bau gedauert hatte. Schon zum  1804 war die Kirche dermaßen baufällig, dass   der damalige Chefarchitekt Andrej Melensky deren baldigen Zusammenbruch von starken Winden prognostizierte.

Das Außenbild der von Melensky projektierten Christi-Geburt-Kirche entsprach vollkommen  den Kanons von Klassizismus. Im Vergleich mit voriger Kirche sollte die projektierte etwas näher zum Dnepr verrückt werden.  Dies schuf einige Probleme. Während der Erdarbeiten stellte sich heraus, dass das Holzrohr der Wasserleitung des XVIII. Jahrhunderts erheblich verbraucht war und den Grund überflutete. Man sollte den Boden entwässern,  Abflussgraben ausheben, Schotter einsetzen. Erst im Mai 1809 wurde es mit den Bauarbeiten angefangen. Mit der Durchführung dieser Arbeiten wurde der Baumeister Melensky beaftragt. Die Bauauftragnehmer im Bereich des Mauerwerks waren  die Kleinbürger Serikov und Kukuschkin. Die Baustoffe erwarben die Geistigen  bei den einheimischen Kaufleuten. Es gibt die Auskünfte, dass man  beim Ausheben der Fundamente für diese Kirche  die Überreste eines Friedhofes entdeckt hatte. Laut  altem Brauch wurden die verstorbenen Gläubigen entweder unter der Kirche oder neben der Kirche beerdigt wurden. Angeblich existierte dieser Friedhof bis er durch einen neuen in der Ortschaft  Shchekavik  abgelöst worden war.

 Im Laufe der Bauarbeiten erlebte die Gemeinde ständigen  Mangel an Geldmittel. Am Baubeginn verfügte die Gemeinde über kleineren Teil der benötigten Summe (ca. 65.000 Rubel). Vorsteher der Kirche Oberpriester Michail Luzenko zeigte einen rastlosen Feuereifer. Sowie er, als auch Diakon Maxim Romanovsky hatten viel Kräfte und Zeit für die Spendensammlung aufgewendet. Sie hatten persönlich Tausende Rubel gesammelt, welche bedeutende Baukosten  beglichen hatten.  Einen Teil  der Kosten hatten die Spenden von einzelnen Personen getilgt, wie z.B. die des Kaufmannes Weremejenko  (1800 Rubel), Majors Savojisky  (6000 Rubel). Die in Kirchenunterlagen angegebenen Investitionsquellen erzählen  sogar über einen  gewissen „Greis“- Bettler, der mit  einer Büchse  vor dem Eingang zur Kirche stand.

 

Blick auf Unterstadt Podol. Zweite Hälfte des  XIX. Jahrhunderts.

 

Christi-Geburt-Kirche in Podol. Bild  1870-er.

Schon 1809 wurden die Wände aufgebaut und für die Winterzeit mit einem provisorischen Dach überdeckt. Die Arbeiten  gingen beschleunigt  voran  und bis 1811 war der Glockenturm im Rohbau fertig, in dem schon einige Glocken montiert wurden. Ein tragisches Ereignis  hatte doch den erfolgreich laufenden Bau unterbrochen.

 Am 9. Juli 1811 brachte eine katastrophale Feuersbrunst aus, welche sämtliche Bauwerke in Podol eingeäschert hatte.  Der heiße und trockene Sommer sowie starker Wind trugen dazu bei, dass sich das Feuer sehr schnell verbreitete. Nach Aussagen des Historiographen unserer Stadt Nikolai Zakrevsky sollte „Kiewer Podol innerhalb von drei Stunden in ein Feuermeer geworden werden“. Schon am 10. Juli stellte dieser früher dicht besiedelte Stadtbezirk die rauchenden Trümmer dar. 

Selbst die Christi-Geburt-Kirche wurde vom Brand nicht so heimgesucht,  weil sie sich entfernt vom Epizentrum der Katastrophe und direkt am Dnepr- Ufer befand. Sind nur einige Holzgegenstände verbrannt, die neben der Kirche waren, einschließlich der alten Ikonenwand. Abgesehen davon, hatte dieser Riesenbrand eine negative Auswirkung auf den Ablauf des Kirchenbaus ausgeübt. 

Blich auf Podol von Dnepr-Seite  aus. 
Feuersbrunst 1811 vernichtete alle Holzbauwerke in Podol. 

Rekonstruktion – Modell des alten Kiew; Blick aus Shchekavitza-Hügel

 

 Ein großer Teil von Gläubigen der Gemeinde dieser Kirche hatten ihr Vermögen bzw. Habseligkeiten wegen des Brandes verloren und konnten für die Kirche nicht spenden, wodurch sich die Gemeindezahl  von 929 bis 627 Personen reduzierte. Dies erklärte, dass das Ziegelmauerwerk zum Kuppelraum erst im Sommer 1813 fertig gebaut wurde.

 Die vom Brand erlittenen Einbußen wurden teilweise dadurch ersetzt, dass die Christi-Geburt-Kirche das heil gebliebene Gut der nah gestandenen  Christi- Verklärungskirche  erhielt, welche vollkommen niedergebrannt war.  Als wertvollste Erwerbung erwies sich eine alte hölzerne 5- stufige  Ikonenwand, die in der  Christi-Geburt-Kirche am ersten Tag des 1817 Jahres aufgestellt worden war. Im Februar desselben Jahres hatte der Metropolit Serapion die Kirche feierlich eingeweiht. Das Außenbild der errichteten Kirche hatte ursprünglich dem vorgesehenen Projekt im Vielen nachgeben. Ein großer Mangel an Geldmittel verursachte die teilweise Vereinfachung des Projektes. Erst 1825 hatte der Architekt Andrei Melensky die ausgelassen architektonischen Details wiederaufgebaut.

Wesentliche Änderung des Außenbildes der Kirche erfolgte im Zeitraum 1837–1841. In dieser Zeit ist eine neue nördliche warme Abseite (für Gottesdienste im Winter) angebaut worden, die zu Ehren des Heiligen  Sergius Radonezhsky eingeweiht wurde. Diese Bauarbeiten erfolgten auf Kosten des in den Jahren 1836-1840 zum Gemeindeältesten gewordenen Kaufmanns  der 2-en Gilde Sergei Terechov. Den Entwurf des Anbaus hatte der damalige Stadtarchitekt Ludwig Stanzani im November 1837 genehmigt. Dabei erwiderte Stanzani abweisend auf die Meinung des Kiewer Baukomitees, dass es sinnvoll wäre für die Symmetrie noch eine ähnliche  südliche Abseite zu errichten.  Infolgedessen verlor die Kirche nach der Einweihung des nördlichen Abseite 1841 die dem Klassizismus charakteristische Symmetrie und  Lakonismus der Bauformen.

 

Interieur der Kirche  mit Ikonenwand  (vor Änderung des Außenbildes)

Säulen des südlichen Portikus

 1845 wurde die Ikonenwandmalerei erneuert, doch das Außenbild der Kirche blieb nach wie vor schlicht. Kiewer alteingesessener Priester Clement Fomenko schrieb: „Ein armes und elendes Aussehen hatte Christi-Geburt-Kirche in 50-er. Im Winter wurden die Gottesdienste in der schmalen und warmen Sergij-Abseite abgehalten, welche der Kirchenälteste Sergij Terechov veranstaltete. Hier kam eigentlich ein „Handvoll“ von Gläubigen“

Gerade in dieser Zeitperiode fand ein markantes Ereignis in der Geschichte der Kirche statt. An 6–7 Mai. 1861 wurde in der Christi-Geburt-Kirche der Sarg mit dem verstorbenen Nationaldichter Taras Schevtschenko unterwegs aus Sankt Petersburg in die Stadt Kanev (am Dnepr) aufgebahrt. 

Diesem gingen recht komplizierte Sorgen und Verhandlungen voraus: man sollte sich der Zustimmung sowie des Kiewer Metropoliten Arseniy, als auch des Generalgouverneurs Hilarion Wassiltschikow sichern. Eine bedeutende Rolle in der Totenmesse für Taras Schevtschenko in Kiew hatte der bekannte Kirchenhistoriker Pjotr Lebedinzev gespielt. Es sind seine eingehenden Erinnerungen erhalten, welche erzählen, wie sich an ihn der Vetter von Taras Schevtschenko – Bartholomäus Schevtschenko mit der Bitte um den Beistand wendete und wie sich der weitere Sachverhalt entwickelte.

Taras Schevtschenko

Am Schevtschenkos Sarg in Kiew. Bild von  1861.

Die Totenmesse fand um 16.00 Uhr statt und dann erfolgte das Hinaustragen des Sarges zur Anlegestelle, wo ein Schiff wartete, das stromabwärts nach Kanev fuhr. Die ganze Umgebung ringsum der Kirche war voll von Leuten, Verehrern  Schevtschenkos Talent, Studenten der Geistigen Akademie und anderer Lehranstalten sowie einfachen Kiewern. Was hier damals vorging, war einer religiösen Massenprozession ähnlich, die üblicherweise am 15. Juli, am Gedenktag des Großfürsten Wladimir veranstaltet wurde.  Sobald der Sarg aus der Kirche heraus getragen wurde  und die Prozession zum Kai folgte, meldetet sich  so viele  Menschen zur Rede, dass der Zug vielmals unterbrochen wurde. So verabschiedeten die Kiewer mit ihrem „Kobzar“ (Volkssänger bzw. Wandermusikant). Seit jener Zeit wird diese Kirche im Volksmunde als „Schevtschenk-Kirche“ genannt.

Pjotr Lebedinzev


Es ist auch bekannt, dass in der Christi-Geburt-Kirche an Dnepr-Küste eine Totenmesse für noch einen hervorragenden Landsmann Pavel Tschubinsky im Januar 1884 abgehalten wurde. Er ist  Autor der Nationalhymne der Ukraine. Nach der Totenmesse wurde der Sarg mit seinen sterblichen Überresten in die Ortschaft Boryspol zur Beerdigung gebracht.

Fast die ganze Hälfte des XIX. Jahrhunderts – von 1853 bis 1899 – war als Vorsteher der Christi-Geburt-Kirche der oben erwähnte Joseph Zheltonozhsky.  Er war ein außergewöhnlicher Geistliche, der über  eine hervorragende künstlerische Gabe verfügte. Er beteiligte sich seinerzeit an den Wiederherstellungsarbeiten der uralten Fresken in der St. Sophien- Kathedrale und in der Kyrill -Kirche und   hatte an der Christi-Geburt-Kirche ein Atelier für Ikonenmalerei gegründet.

 Im Zeitraum 1860-1863 entstand an der Ecke der heutigen Sagaidatschny- und Boritschev- Straßen ein zweistockiges Ziegelhaus. Das obere Stockwerk war für den Bedarf  der Kirchengemeinde vorgesehen und im unteren Geschoß waren vier Geschäfte untergebracht, die gern gemietet wurden und dadurch der Kirche einen bedeutenden  Profit  brachten. In  1860-er ist in der Nachbarschaft das Gebäude der Poststation errichtet worden, das bis heute hier steht und mit der Kirche  das „Gesicht“ des heutigen Postplatzes  bilden.

Pavel Tschubinsky

1892 entstand in der steilen Alexander-Straße die elektrische Straßenbahnstrecke, die ganz dicht zur Kirche verlief. Dies war die erste Straßenbahnlinie  nicht nur in Kiew, sondern im Russischen Imperium sowie die zweite im ganzen Europa nach Berliner Straßenbahn.

Nach der Initiative des Kirchenvorstehers Joseph Zheltonozhsky und Kosten des Kirchen- ältesten, Kaufmannes Alexander Syrotkin sowie nach dem Projekt des Architekten Nikolai Kazansky  wurde 1899 eine neue Umzäunung auf Ziegelsäulen ringsum  Kirchengelände errichtet.

Die energischen Maßnahmen zur Erneuerung der Kirche ergriff deren neuer  Priester,  Nachfolger des Kirchenvorstehers Joseph Zheltonozhsky - Absolvent  der Kiewer Geistigen Akademie Alexei Yazlovsky. Das Kirchengut (Grundstücke)  wirtschaftlich disponierend, hatte es dem tatkräftigen Vorsteher gelungen  die chronische Geldknappheit zu überwinden.

Im Jahre 1904 entwarf  der Diözesan-Architekt Eugenie Ermakov ein Projekt der Umgestaltung des Eingangsportals der Kirche. Anstatt des südlichen Eingangs wurde ein spezieller Tambour an der westlichen Seite der Kirche angebaut, an dessen südlicher Seite eine neue Eingangstür aufgestellte wurde. Auf die Kosten von Alexander Sirotkin errichtete man 1911 in südlichen und nördlichen Teilen des Altarbereiches  zwei runden Anbauten für Sakristei und Kirchendiener. Im selben Jahr wurde in der Kirche nach dem Projekt von Nikolai Kazansky die Warmluftheizung installiert, was ermöglichte im Winter die Gottesdienste in der ganzen Kirche  abzuhalten. 

Alexander-Straße und Christi-Geburt-Kirche. Ansichtskarte, Anfang des XX. Jhrs.

Straßenbahn. Bild von 1890.

 Es wurde auch entschieden die Ikonostase etwas zu ändern: in 1910-er wurde diese aufs neu vergoldet und in zwei Teile geteilt (im Zentralbereich der Kirche ist Ikonenwand mit drei Ikonenreihen geblieben und die mit zwei Ikonenreihen verlegte man ins Sergiev-Seitenschiff). In gleicher Zeit erfolgte die Bemalung der Kirchenwände durch die Kiewer Ikonenmaler, Brüder Kochno. Das markanteste Bild darunter war die Darstellung im Altarraum, welche den auf dem Thron sitzenden Jesus Christus in der Umgebung von Evangelisten in einer bergigen Ortschaft zeigte. Jesus Christus symbolisiert hier den Gott des Wortes und die Evangelisten sind durch symbolische Figuren als Adler, Kalb, Löwe und  Engel dargestellt. Rechts davon war die Darstellung von Christus, der sich dem in Wasserwellen untergehenden Apostel  näherte; links – der Gute Hirt mit Lamm in den Händen in der Umgebung von Schafherde. Einen Teil von Kompositionen und Ornamenten hatten die Brüder Kochno der berühmten Malerei in der Wladimir-Kathedrale entlehnt.  

 Zu  Ende des Jahres 1914 wurden die Bemalungen des Zentralteils der Kirche sowie des Sergiev-Seitenschiffes vollendet. Kurz darauf hatte derselbe Clement Fomenko, der diese Kirche Mitte des XIX. Jahrhunderts als eine „arme und elende“ charakterisierte, folgendes geschrieben: „Christi-Geburt-Kirche wurde erweitert, verschönert, erhielt das   Aussehen einer gut eingerichteten Stadtkirche. Deren Wände sind mit künstlerischer Ikonenmalerei ausgemalt, hier singt der beste Chor. Liebe Kiewer, sie werden sich darüber selbst überzeugen!“.

Christi-Geburt-Kirche. Foto von 1910

Christi-Geburt-Kirche im Panorama von Podol. Ansichtskarte von 1930

Christi-Geburt-Kirche vor dem Abbau. Foto von 1936.

All dies war ein würdiger Vorlauf der Jubiläumsfeierlichkeiten, die dem 100-Jahrestag der Kirche gewidmet waren. Trotz  schon begonnenen Weltkrieges, erhielt  Kirche die Bewilligung den feierlichen Gottesdienst durchzuführen, der am 30. Dezember 1914   im Beisein von vielen bekannten Geistlichen und Professoren der Kiewer geistigen Akademie stattfand. Die Kirchengemeinde reagierte auf die Kriegsereignisse: auf die Initiative des Kirchenältesten, Arztes Fjodor Burtschak wurden die Kirchenräumlichkeiten als  Evakuierungshospital zur Verfügung gestellt.

Am Vorabend der sog. Revolution hatte die Chrsti-Geburt-Kirche eine nicht zahlreiche Gemeinde, doch sie war auf ihre Kirche und deren Geschichte stolz. Die Kirchenschule war 1811 niedergebrannt und die Kinder besuchte die Nachbarschule der St. Boris- und Gleb-Kirche.

Unter wichtigsten Reliquien, die der Kirche gehörten, wurde das mit Seide gewebte und mit Darstellung von Christi-Grablegung Grabtuch erwähnt. Dieses Grabtuch war mit dem Datum 1545 („Sommer 7053“) versehen und angeblich in der westlichen Ortschaft der Ukraine Bukowina während des moldauischen Gouverneurs Pjotr angefertigt. Der Überlieferung zufolge sollte dieses Grabtuch von einem Soldaten der russischen Armee aus Moldova nach Kiew mitgebracht werden. Es wurde durch Christi-Geburt-Kirche von der verbrannten Christi- Verklärungskirche  geerbt.
Die größte Glocke der Kirche wiegte 99 Puds (i Pud = 16,3805 kg. Sie wurde auf Spenden des ehemaligen Kirchenältesten Sirotkin 1910 gegossen. Auf der Glocke waren die Basreliefdarstellungen von Erlöser, Mutter Gottes, Johannes dem Täufer und  St. Nikolaus angebracht.

Postplatz. Photo von 1950-er.

Errichtung einer Laube an der Stelle der abgerissenen Kirche. Foto 1997.

Während der Sowjetzeit dauerten noch die erste Zeit die Gottesdienste in der Kirche. Im November wurde offiziell das Statut der Kirchengemeinde gebilligt. Aber in 1930-er Jahren war die Kirche schon nicht mehr aktiv; deren Räume wurden als Wohnheim benutzt. Obwohl der Amt für architektonische Planung bei Kiewer Stadtrat hatte die Christi-Geburt-Kirche als Denkmal erklärt, das unter Denkmalschutz genommen wurde. Ungeachtet dessen waren im in Moskau ausgearbeiteten und genehmigten Generalplan  der Entwicklung Kiews die meisten historischen Bauwerke aus der Denkmalschutzliste ausgestrichen. Infolgedessen ist  die Christi-Geburt-Kirche in Podol 1936 abgerissen worden.  

Gerade damals plante man die Rekonstruktion des Platzes mit dem Anschluss an Bau des Gebäudes der Fluss-Station sowie an großes Regierungszentrum auf dem Berg. Vor dem Abriss der Kirche gab es sogar keine Möglichkeit sie zu untersuchen und abzumessen. Sämtliche wertvolle Gegenstände der Kirche, Gold, silberne Rahmen, Ikonenbeschläge etc.   wurden beschlagnahmt. Die hölzerne Ikonenwant war verbrannt, die meisten Ikonen  wurden nach Ausland verkauft.

Viele Jahre stand die Stelle der abgerissenen Kirche leer.  1976 entstand  auf dem Postplatz die Metro-Station, deren Eingang sich auf dem Gelände der zerstörten Kirche befindet (kurz zuvor wurde ein altes hölzerne Haus abgerissen, das der Kirche gehörte). Mit der Zeit erinnerten sich die Kiewer wiederum an die „Schervtschenko“-Kirche zurück. Zuerst wurde an deren Stelle ein kleine Grünanlage angelegt und Gedenkstein aufgestellt. Im Jahre 1997 hatte man auf dem Postplatz  die Kontur der Kirche ausgelegt und in deren Mitte eine metallische Laube eingerichtet. 

Es schien, dass alles auf die evtl. Wiederherstellung der Christi-Geburt-Kirche zeigte.  Doch als vorrangig erwiesen sich Ende 1990-er die Michael-Goldkuppel-Kathedrale und  Marie-Himmelfahrtskathedrale im Kiewer Höhlenkloster.  

Erst im Jahre 2002 war die „Schevtschenko“-Kirche an der Reihe. Das Projekt deren Wiederaufbau hatten die Architekten- Restauratoren Juri Losizky und Elena Miroschnitschenko entwickelt. Zugrunde dieses Projekts lag nicht solche Gestalt der Kirche, welche diese vor ihrem Abriss hatte, sondern   die ursprüngliche Konzeption des Architekten Andrei Melensky, welche die damals nicht vollzogenen Kuppeln und keine später errichteten Anbauten vorsah.

Mit den Wiederherstellungsarbeiten wurde annähernd an derselben Stelle angefangen, wo die abgebaute Kirche stand, doch unter Berücksichtigung  der Breite von Wladimir-Straße Wladimir- Abstieg). Der Bau von Christi-Geburt-Kirche dauerte bis 2005 und nach deren Einweihung wurde sie der Gemeinde  der Ukrainischen Orthodoxkirche des Kiewer Patriarchats übergeben.

Die innere Wandmalerei entspricht dem klassizistischen Stil. Hier wird die Totenmaske des ukrainischen Volksdichters Taras Schevtschenko exponiert; an der Kirchenfassade ist die Gedenktafel mit dem Basreliefporträt von Schevtschenko angebracht.

Der Postplatz erwarb jetzt seine „Knotenstruktur“ zurück und die Pjotr Sagaidatschny-Straße – ihren notwendigen Anfangsakzent. Das „Tor von Podol“ ist fast so geworden, wie es vor zwei Jahrhunderten war.

Januar 2011.