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Gesamtblick auf den Wladimir-Berg und Podol am Anfang des 20. Jahrhunderts, Kiew
 
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Gesamtblick auf den Wladimir-Berg und Podol am Anfang des 20. Jahrhunderts, Kiew
Dienstag, 16 Juli 2019

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Artikel > Mystische Orte Kiews

Michail KALNIZKY, Historiker.
Extra für «Prime Excursion Bureau»

 Der Kahle Berg

Für den bekanntesten Ort der Vollziehung verschiedener jenseitigen Hexensabbaten in slawischer Folklore wird wohl der Kahle Berg gegolten. Dabei anerkannt ist, dass dessen „klassische“ Lage vor Kiew sei. Sogar in der respektablen vorrevolutionären Zeitung „Kiewljanin“ (Kiewer) konnte man lesen: „Es existiert einen Volksglaube, dass auf dem Kahlen Berg in Kiew die Hexen aus der ganzen Welt zusammenkämen, um gemeinsam mit Vampiren den „Sabbat“ zu feiern und auf sog. “Metschiki” (Holzmesser, mit welchen Hanffasern vom Stängel losgelöst werden) „per Luft“ zu reiten ; hier sollten die neuen Hexen ihre alten „Kolleginnen“ kennen lernen, welche den ersten allerlei Hexereien beibringen“.

 Die Bezeichnung „Kahler Berg“ trugen freilich wenigstens fünf Kiewer Anhöhen in verschiedenen Zeitperioden. Jetzt kann man nicht in der völligen Gewissheit sagen, auf welcher darunter die bösen Kräfte zusammenkamen. Manche Quellen weisen auf die schon längst abgetragene Anhöhe auf dem linken Dnepr-Ufer hin, wo heute die Ortschaft Vigurovschina-Troyeshchyna liegt. Es existiert noch ein gleichnamiger Hügel im südlichen Stadtbezirk, wo der Nebenfluss  Lybid in Dnepr mündet.  

Auch wenn sich hier einmal die Hexen nicht versammelt hätten, behielt dessen Geschichte sowieso recht finstere Zeitperioden. Seit  1872 sind auf dem Kahlen Berg die Bauarbeiten durchgeführt worden. Es wurde damals ein grandioser Bauplan des bekannten  Fortifikationsingenieurs, Generals Edward Todleben  vollzogen, welcher das Umringen der Stadt durch 27    Verteidigungsforts vorsah. Die nachfolgenden Ereignisse zeigten eigentlich, dass das Festungswerk auf dem Kahl-Berg das einzige gebaute Fort dieses Bauvorhabens war. Die weiteren Bauarbeiten sind eingestellt worden. 

 Das obere Plateau des Kahlen Berges wurde kreuz und quer umgegraben und man hatte hier  die Erddämme aufgeschüttet, in denen die Tunnel für Artillerie errichtet sind. Bis heute sind auf der Ziegelmauer der unterirdischen Gänge die „Autogramme“ erhalten, welche viele Jahrzehnte hindurch die diensthabende Wache aus Langweile auf den Tunnelwänden mit Bajonetten schrieb.

Nachdem zum Ende des XIX. Jahrhunderts die Kiewer Festung ihre militärische Bedeutung verlor, wurde das Fort auf dem Kahlen Berg  zum Hinrichtungsort der zum Tod verurteilten. Hier wurden die  Kriminellen erhängt und die militärischen Verbrecher erschossen.  Die resonanteste Hinrichtung fand in der Nacht zum 12. September 1911 statt, als auf dem Kahlen Berg der gewisse Dmitry Bogrov – Mörder des damaligen Ministerpräsidenten des Russischen Imperiums Pjotr Stolypin. Orientierungsstelle, wo   das Schafott gestanden haben sollte, sei unweit der halbruinierten Garagen des ehemaligen Militärstädtchens zu erraten. Wer sich die Nerven „kitzeln“ möchte, könnte  bis zur späten Nacht bleiben und sich vergewissern, ob sich hier die Gespenster der Hingerichteten zeigen…

 In der Sowjetzeit funktionierte auf diesem Berg der sog. „Störsender“, der die Radiosendungen aus dem Ausland dämpfte. Heute ist der Kahle Berg keine Sperrzone mehr. 1982 wurde hier zum 1500-jährigen Jubiläum Kiews det Landschaftspark angelegt, mit dessen Weitergestaltung bislang nicht angefangen wurde. Unlängst hatte man versucht in einem entlegenen Winkel des Berges eine heidnischen Tempel aus Holzstämmen zu errichten.

 

Kiewer "Devildom" in der Literatur

Anfang des vorvorigen Jahrhunderts sind verschiedene mystische literarische Werke unter dem Namen "Porphyri Baisky" publiziert worden. Unter diesem Namen versteckte sich der Schriftsteller Orest Somov. Er stammte aus der Region Slobozhanschina und behielt im Gedächtnis viele örtliche Sagen. Nachdem er späterhin nach St. Petersburg übersiedelte, befasste er sich aktiv mit literarischer Tätigkeit. In seinen Werken hatte Somov eine große Bedeutung den ukrainischen Folkloremotiven beigemessen. Für die Leser der Hauptstadt stellten seine Werke ein recht exotisches Lesematerial dar, insbesondere, wenn diese  reichlich mit Mystik "angerichtet" waren.

Eine seiner Novellen heißt beispielsweise „Kiewer Hexen“. Deren Hauptgestalt – Kiewer  Kosak Fjodor Bliskavka verliebte sich in Schönheit Katrusja (Ketherina) und geheiratete sie.  Nicht einmal fiel ihm seltsames Verhalten seiner Frau auf.  Letztendlich konnte er aufspüren, wie sie eine Nacht zur festgesetzten Stunde ein Hexengebräu siedete, mit einer geheimen Salbe ihren Körper rieb und direkt durch den Schornstein weggeflogen war. Der tapfere Bliskavka entschied ihren Handlungen   nachzufolgen und wiederholte  all magischen Prozeduren, infolgedessen fand er sich  mitten im Sabbat auf dem Kahlen Berg. Somov beschreibt diese Aktion recht naturalistisch: „Direkt auf der Bergspitze gab es eine ebene Stelle, die schwarz als Kohle und  bloß als Kahlkopf eines Greises war. Darauf bezieht sich eigentlich der Name dieses Berges. In der Mitte des Platzes stand ein Brettergerüst  mit sieben Stufen, die mit dem schwarzen Tuch bedeckt waren. Drauf saß ein riesiger Bär mit doppelter Affenschnauze, Ziegenhörnern, Schlangenschwanz, Igelborsten auf dem ganzen Körper, Skeletthänden mit Katzen Krallen. Um ihn herum, in einiger Entfernung „brauste“  ein ganzer Basar von Hexen, Zauberern, Vampiren (Ghulen), Werwölfen, Waldgeistern,   Wassermännern, Heinzelmännchen (Poltergeister) und allerlei Ungeheuer“.

Sabbat-„Meute“ genau betrachtend, entdeckte Kosak drin viele bekannte Kiewer: „Nicht weit vom ihm sah er seine Schwiegermutter Lanzjuzhicha mit einem Imker, der im Volke einen üblen Ruf hatte, die Greisin Odarka Schvoyda (die auf dem Podol-Markt die Kringel verkaufte) mit neunzigjährigem  Händler Artjuch Holozy, der von vielen beinahe für einen „Heiligen“ gegolten wurde:  so verstand sich dieser verdammte Heuchler  als ein frommer und demütiger Mensch zu verstellen. Hier war auch die bettelarme Behinderte Motrja, die auf Kiewer Straßen bettelte und für einen närrischen Menschen galt und hier Hand in Hand mit dem reichen Knauser Krupka defilierte… Diese „Bande“ der bejahrten Hexen und Zauberer hatte so eifrig einen Tanz hingelegt, dass der Staubwirbel in die Höhe ragte. Etwas an der Seite erblickte Fjodor auch seine Frau. Katrusja tanzte keck „Kosatschok“ mit einem breitschultrigen und  langhornigen Schrat, der die Zähne fletschte und blinzelte ihr zu. Sie lächelte ihm zurück und „wirbelte“ um ihn herum  wie ein Kreisel“. All dies sah einigermaßen komisch aus, doch das Finale der Novelle war traurig – sowohl den Kosaken, als auch seine Frau erwartete der baldige Tod.

Noch ein jenseitiges Thema von Somov betraf die Nixen. Die Hauptgestalt Героиней seiner Erzählung „Nixe“ war junges Mädel Gorpinka, welches zusammen mit Mutter-Försterin im Wald neben Kitajevo- Einsiedelei wohnte. Die Jungfrau  verliebte sich Hals über Kopf in einen kleinlichen Edelmann, der ihr zuerst den Kopf „verdrehte“ und   schändete sie nachher. Danach war Gorpinka verschwunden. In tiefer Trauer besuchte ihre Mutter die Höhle eines alten Zauberers und dieser hatte ihr anvertraut, wie man das Mädel sehen kann, die zu einer Nixe geworden ist und im Fluss Dnepr hauste…

Lebenslauf des Schriftstellers Orest Somov gestaltete sich nicht leicht: litt oft Not,  war schwer krank und verstarb 1833 im vierzigjährigen Alter. Ungeachtet der spannenden Sujets seiner Werke, waren sie dem zeitgenössischen Leser nicht sehr bekannt. Höchstwahrscheinlich deshalb, dass die von ihm gebahnte Richtung von anderen literarischen Meistern weiter entwickelt wurde, mit welchen er nicht konkurrenzfähig war.

 Viele kennen beispielsweise das Gedicht „Husar“ (1833) von Alexander Puschkin, welches Kiew und den verhängnisvollen Kiewer jungen Frauen gewidmet ist. In diesem Gedicht sind ganz deutlich die Sujetmotive von „Kiewer Hexen“ vorhanden; kein Wunder doch, weil Puschkin und Somov einander sehr gut kannten. Puschkin hatte hingegen die ganze Geschichte  mit keinem Anflug von Tragödie dargestellt, sondern mit schelmischer  Heiterkeit beinhaltete. Auch das von ihm nicht zu Ende geschriebene Drama „Nixe“ ist nach dessen Sujet dem gleichnamigen Erzählung von Somov sehr nah.

 Über die Hexen, die in Kiew auf jedem Schritt und Tritt zu treffen sind, kann man auch im Werk „Wiy“ des berühmten Schriftstellers Nikolai Gogol lesen (er kannte auch Somov, der das literarische Debüt von Gogol positiv eingeschätzt hatte). Die markante Phrase kommt unwillkürlich in Erinnerung: „Bei uns in Kiew sind alle auf dem Markt handelnden Weiber – die Hexen“. Derselbe Gogol, wie auch Somov, erzählte ganz malerisch und romantisch auf den Seiten seines Werkes „Abende vor Ivan Kupala-Fest“ über die Suche nach Farnblüte.

Die Hauptfigur des Gogol-Werkes – rothaariger Imker Panjiko prägte sich eigentlich viel fester in der Literaturgeschichte als Porfiry Baisky von Somov. Und das ist ganz klar. Möge Somov früher als Gogol in „Furchtbare Rache“ den fürchterlichen Wizard dargestellt habe, fehlt es denn bei ihm so eine bezaubernde Beschreibung des großen slawischen Flusses, wie „Wundervoll ist Dnepr beim stillen Wetter…“. Obwohl das Sujet über die unglückselige Ertrunkene entstand bei Somov früher als das Werk „Mai-Nächte“ von Gogol, vermochte er doch nicht so, wie der große Schriftsteller sagte: „Ob sie ukrainische Nacht kennen? O, nein, sie kennen ukrainische Nacht gar nicht!“.

 

Häuser mit Gespenstern

In der steilen Ljuteranskaja-Straße (Lutherische Straße) steht bis heute das alte Haus unter Nr. 16. Es ist das einzige erhalten gebliebene Gebäude seit der Zeit, als mit dem Anlegen dieser Straße erst begonnen wurde.  

Das Haus wurde auf dem Grundstück errichtet, das der gewissen Frau Uljana Sulimina (Sulima) gehörte. Sie war die Ehefrau von Akim Sulima - ukrainischen Gutsbesitzers, der im staatlichen Dienst im Ministerium der Volksausbildung stand. Ehrwürdige Gens Sulimas ging zum Hetman Ivan Sulima der Zaporozher nicht registrierten Kosaken der ersten Hälfte XVII. Jahrhunderts zurück. Cousin von Akim – Nikolai Sulima war ein Kampfsgeneral, der ein Regiment und eine Brigade während des vaterländischen Krieges mit Napoleon 1812 befehligte. Dynastie Sulimas hatte ein großes Familienlandgut „Sulimovka“ (heute Obuchov-Gebiet der Kiewer Region) im Besitz.

Das oben erwähnte Haus entstand im Zeitraum 1833–1835. Sofern bekannt ist, sollten an dessen Projektierung der damalige Stadtarchitekt Ludvig Stanzani und selbst der Hausbesitzer teilgenommen haben (Akim Sulima nahm private Stunden beim Baumeister Wassily Stasov). Die ursprüngliche Fassade des Hauses entsprach den besten Traditionen des Klassizismus: sie wurde durch einen Sechssäulen-Portikus auf der letzten Stockebene verziertего und stützte auf eine Arkade mit dem Giebeldreieck. Die symmetrischen Treppenläufe führten auf eine Terrasse über dem Sockelgeschoss-Contrefort.

Der Hausbesitzer bewunderte nicht lange seine „Schöpfung“: im Jahre 1840 verstarb er. Die Witwe Uljana Sulima hatte bald den General Lovzov geheiratet. Aus irgendwelchen Gründen war das Gebäude eine längere Zeit nicht bewohnt und geriet in Verwüstung. Mittlerweile entstand eine Legende, als ob im Haus  die bösen Kräfte geweilt hätten.  Die Städter suchten Distanz von diesem Haus zu halten.

Offensichtlich dieses Haus erscheint in den Erinnerungen des bekannten Malers Leo Zhemtschuzhnikov über seinen Aufenthalt in Kiew mit dem Schriftsteller Grafen Alexei Tolstoi und seinem Freund Baron Rosen.

Mit der Zeit gelang es übrigens das Haus vom Einfluss des Bösen zu retten. Zufolge des Testaments der verstorbenen Generalgattin  Lovzova В 1859 hatte es eine örtliche Wohltätigkeitsgesellschaft geerbt. Sie hatte in diesem Gebäude ein Pflegeheim für Obdachlosen untergebracht  (in die Geschichte der Stadt als „Sulimovka“ eingegangen) und daneben eine Kapelle errichtet.

Mit Anwesenheit von jenseitigen Kräften ist eine Reihe von anderen Häusern in Kiew verbunden worden. So z.B., im Jahre 1902 hatten großes Aufsehen die seltsamen Begebenheiten im Haus-Nr. 22 in der Kreschtschatik- Strasse erregt (damals „Grand-Hotel“; ist heute nicht erhalten).  Sogar die hier eingetroffene Polizeistreife hatte zu gestehen, dass in einem der Räume die unerklärbare Umstellung von Möbel zu beobachten war und das Geschirr  sich in Scherben von alleine schlüge... Auf solche Weise hatten unsere Landsleute schon über Jahrhundert zuvor den sog. „Barabaschka“ -Poltergeist kennen gelernt.

Magnetizadors und  Spiritists

 Nachdem die Wissenschaft schon viele Aberglauben entlarvt hatte, kamen in der Geschichte unserer Stadt an und zu die Leute zum Vorschein, die über ungewöhnliche Veranlagungen bzw. Fähigkeiten verfügten. So, in der ersten Hälfte des XIX. Jahrhunderts waren unter Kiewern  die sog. „Magnetizadors“ gut bekannt, welche  über die „magnetischen Kräfte“ verfügten  (heute heißen sie Extrasensitive bzw. Wunderheiler).

Einer davon - General Dmitry Begitschew wohnte in der heutigen Institutskaja-Straße  (sie hieß sogar eine Zeit Begitschewskaja-Str. und  auf dem Gelände des ehemaligen Gehöfts von Begitschew entstand mit der Zeit das Institut (Lehranstalt für die Jungfrauen aus adligen Familien) für adlige Jungfrauen, das während der Sowjetzeit in den sog. Oktober-Kulturpalast umfunktioniert wurde). Nachfolger des Generals, Fayence-Meister Ivan Romanovsky,   Einwohner des Berges Jurkoviza pflegte die Kranken dank seiner Heimkraft  zu kurieren. Dabei ist hervorzuheben, dass Romanovsky seine Gabe ohne jeglichen Eigennutz anwandte, indem er kein Geld sowie Geschenke von Patienten nahm.  

Es gab dennoch auch Scharlatane – sog. „Quacksalber“ und „Heiler“, die sich am fremden Unglück bereicherten. Die Kirche warnte mehrfach vor Praktik solcher Scharlatane, welche über keine solche Freiheiten  verfügten ihre „Leistungen“ zu werben, wie es leider heute der Fall ist. Es kam häufig vor, dass erfolgreiches Business  von Kiewer „Wunderdoktoren“ oder „Wahrsagerinnen“ durch   Kollision mit Polizei unterbrochen wurde. Kiewer Presse hatte viele Beispiele solcher Art angeführt.

 1900 versuchte eine Pseudo-Wahrsagerin aus Kiewer Vorort den örtlichen Polizeiinspektor vergebens zu überzeugen ihre Werbungsansage zu unterzeichen. Jegliche Hoffnung verlierend, wagte sie den Ordnungshüter einzuschüchtern, indem sie  ihm voraussagte, dass auf ihn baldige Entlassung warten solle. Dies erschreckte keineswegs  den Polizeiinspektor und er sagte ihr seinerseits voraus, dass sie binnen 24 Stunden aus Kiew  schnellstens verschwinden sollte. Wie eigentlich zu erwarten war, erwies sich die „Prophezeiung“ des Polizisten viel mehr korrekter...

Unter dem mehr soliden Stand der Jenseitsliebhaber gab es die sog. Spiritualisten. Es sind einige Aussagen erhalten, dass die spiritistischen Sitzungen ab und zu in Zimmern des Hotel „Metropole“ (wo heute die Metro-Station „Leo Tolstoi-Platz“ liegt) erfolgten, wo die fremden (angekommenen)   „Medien“  das Trugbild der ekstatischen Mystiksucher frappierten.  Die Skeptiker versuchten allerdings immer wieder die Anschauung zu zerstreuen und demonstrieren zu können, dass der ganze Ritus mittels Tisch und Untertasse die Geister erscheinen zu lassen – nicht mehr als eine „Fingerfertigkeit“ sei.   

 

Kiewer Masons (Freimaurer)

 Schon im XVIII. Jahrhundert wurde in unserem Heimatland das Interesse zu Geheimorganisationen von „Freimauern“ bzw. „Masons“ beobachtet. In Verbindung mit ihnen hatte man auch allerlei mystischen Erscheinungen und Riten gesetzt. In Kiew existierte eine recht mächtige Gemeinschaft – Loge der „Vereinten Slawen“. Auf deren Liste finden wir die Namen von Offizieren und Gutsbesitzern, Lehrern und Kaufleuten. Dort erwies sich auch Oberstleutnant Leonty Dubbelt, der späterhin als Leiter der Strafbehörden treu der Selbstherrschaft diente. Als Ehrenmitglied der Loge wurde der General Fürst Sergei Volkonsky (zukünftiger „Dekabrist“/Dezembergeneral) ernannt.

 Auf der heutigen M. Gruschewskogo- Straße, 14 ist ein kleines altes Haus erhalten geblieben, über welches der Autor des bekannten Stadtführers von 1917 Kost Scherozky schrieb: „An der Ecke der Sadowaja-Straße… steht ein Haus, in dem sich Kiewer Mason-Loge versammelte, die im Jahr 1818 für die Vereinigung der örtlichen slawischen Elemente gegründet wurde (Gesellschaft der vereinten Slawen, d.h. Ukrainer, Polen und Great- Russen)... Als Zeichen von Masons galt ein Kreuz mit Kreis und zwei verbundenen Händen mit Inschrift  «jednosć slowiańska»... Kiewer Loge ist 1822 geschlossen worden.

Während der Regentschaft des Zaren Nikolai I wurden gegen Masons die harten Repressalien ergriffen (unter den „Dekabristen“, deren Aufstand ihm beinahe seine Herrschaft kostete, gab es viele Masons). Abgesehen davon ist diese Bewegung im Russischen Imperium nicht  erlöscht.  Eine neue Welle der Zuneigung für Logen der „Freimauer“ fiel auf die erste Hälfte des XX. Jahrhunderts. Viele der damaligen Politiker hatten die geheime Weihe durchgemacht. Beispielsweise sind in Kiew im Jahre 1917 zu Verhandlungen mit „Zentralnaja Rada“ (Zentralrat – Leitungsorgan der damaligen unabhängigen Ukraine) drei Minister der „Provisorischen Regierung“  Alexander Kerenski, Michail Tereschtschenko (unser Landsmann) und Irakli Zereteli eingetroffen. Alle drei waren mit Masons-Logen verbunden. Ihre Verhandlungspartner waren die ukrainischen Masons Michail Gruschevsky (der erste Präsident der unabhängigen Ukraine), Simon Petljura, Sergei Efremov!  

Unter Kiewer Masons gab es viele vermögenden Personen, Hausbesitzer etc. Diesbezüglich kam es recht oft zu „Sensationen“: eines nach dem anderen merkwürdigen  Symbole auf den Hausfassaden wurden als Masons- Zeichen erklärt. Hier muss gestanden werden, dass es in der Symbolik der Kiewer Fassen tatsächlich viele Unklarheiten gibt. Doch allgemein bekannt ist, dass die Masons- Logen ohne jegliche  unnötige Publizität wirkten. Und ihre realen Mitglieder würden kaum ihre eigene Beteiligung an diesem Verein so  leichtsinnig  zur Schau stellen. Kann auch der Wirklichkeit das Gerede nicht entsprechen, dass die  auf dem Postament des Denkmals für den Großfürsten Wladimir (der 988 unser Volk christianisierte)   dargestellten (gekreuzten) Fackel und Streitaxt auch als Masons Symbol erklärt werden könne. Denn das Projekt des Denkmals hatte Imperator Nikolai I. persönlich genehmigt. Stellungnahme Sein Verhältnis zu Masons berücksichtigend, wäre es kaum zu glauben, dass  die damaligen Beamten ihm ein Projekt mit unannehmbaren Assoziationen vorgelegt haben könnten(?!) In der Tat könne dieses Symbol nach verschiedenen Versionen, entweder den Fürsten Wladimir charakterisieren, (der für Verteidigung und Entwicklung des Landes Kiewer Rus viel getan hatte), oder die Taufe mittels „Feuer und Schwert“ versinnbildlichen.