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Lubarts Schloss, XIII. Jh., Stadt Luzk, Wolhynien Gebiet, West-Ukraine.
Sonntag, 15 September 2019

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Artikel > Führung über die ursprünglichen finanziellen Bollwerke Kiews

 Michail Kalnizky,

 Bilder vom Autor bzw. aus seiner Sammlung.
Extra für „Prime Excursion Bureau".

Seitdem, als in Kiew ein vollwertiger Wirtschaftsorganismus herausgebildet war, funktioniert auch sein „Herz“ – das Banksystem. Es pumpt beständig durch das „Blutgefäßsystem“ des Geschäfts- und öffentlichen Lebens die finanziellen Ströme.
Zurzeit funktionieren in der Hauptstadt der Ukraine ein großes Netz von verschiedenen Banken und wenige Kiewer könnten all diese ganz korrekt aufzählen.
Obwohl etwa hundertfünfzig Jahre zuvor ließen sich die sog. Bankkontore in der Stadt leicht auf den Fingern abzählen. Mit der Entwicklung des Kapitalismus erweiterte sich das Kreditbusiness und eroberte weiterhin die neuen Positionen. Seit jener Zeit sind einige imposante Gebäude damaliger Banken erhalten geblieben; einige davon behalten noch ihre ursprüngliche Bestimmung.  
Wie entstand das Bankwesen in Kiew? Erstmals war das Wort bzw. der Begriff „Bank“ in der zweiten Hälfte des XVIII. Jhs in unserer Stadt zu hören. Es hatte freilich mit den vorhandenen Kreditanstalten nichts zu tun.
Die Angelegenheit erklärte sich dadurch, dass die Imperatorin Katharina II die erste Erfahrung der Einführung von Geldscheinen (Assignationen) im Russischen Imperium vorgenommen hatte. Grundsätzlich war es eine nützliche Innovation. Denn der Transport von bedeutenden Geldmengen (überschwere Haufen von Kupferlingen) unter den Bedingungen der berüchtigten russischen „Unwegsamkeit“ schaffte häufig große Probleme.
Und da sind in mehreren Städten sowie in Kiew die sog. „Bankassignationskontoren“ gestiftet worden. Diese befassten sich mit dem Austausch von „umsatzleichten“ Geldscheinen gegen „klingende Münze“ und umgekehrt. 

Bild 1. ehemaliges Gebäude der ersten Bank in Kiew  (Zeichnung Anfang des  XIX. Jhs.)


Das Gebäude des Kiewer Kontors befand sich in der Unterstadt Podol auf dem heutigen Kontraktplatz, wo  damals der Business-Puls schlug. Die „Assignations-bank“ besaß  einen zweistöckigen robusten Bau im frühklassizistischen Stil.

Er ist nicht erhalten geblieben, weil Anfang des XX. Jhs auf dessen Stelle die neuen Renditenhäuser (Häuser zu vermieten) entstanden.  Diese erste Bank in der Stadt existierte nicht lange, nur sieben Jahre (1781-1788). Ihr Geschick wurde durch kurzsichtige Politik der Regierung von „Mütterchen Katherina“ entschieden, indem sich diese auf die Verführung einließ die ökonomischen Probleme durch den missbrauchenden Einsatz der „Gelddruckmaschine“ zu lösen.

Es ist unbegründet ein Überfluß an Assignationen (Geldscheine) gedruckt worden. Deren Kurs zum „Metallgeld“- Gegenwert fiel unaufhaltbar runter.  Um von wertlos werdenden Geldscheinen los zu werden, eilten die Besitzer von zahlreichen Assignationen in die „Assignationskontoren“, welche die Behörden hastig schlossen…  

Was einen traditionellen Bankkredit betrifft, so war dieses in unserer Region einstweilig in den Händen der privaten Finanziers konzentriert. Über die Stadt Berditschev war  hier ein gewisser Einfluss der polnischen Banken ausgeübt worden.
Schon seit 1839 wirkte in Kiew, dem der Imperator
 Nikolai I eine bedeutende Rolle in seinen geopolitischen Aussichten erteilt hatte, das Kontor der staatlichen Kommerzbank. Als vordringlichstes Ziel deklarierte diese Anstalt „ die mehr wirksamen Verfahren für die Kaufmannschaft zu gewähren, welche die Erleichterung und Erweiterung von Handelsumsätzen fördern könnten“.
Zuerst waren die Räume für das Kontor in einem Privathaus (heute Gruschevsky-Str.,8) in Miete  genommen worden, mit der Zeit aber erwarb die Bank eigenen Bau auf der Institutskaja-Str. im klassizistischen Stil (früher Sitz der Adelskommission).


Bild 2. altes Bankgebäude auf der Institutskaja-Str. Bild Ende des XIX Jhs.

   Der nächste Monarch Alexander II hatte eine Reihe von historischen Reformen durchgeführt, unter denen die wichtigste war – Abschaffen der Leibeigenschaft. Einer erheblichen Reorganisation war das einheimische Banksystem unterzogen worden. 1860 wurde die zentrale Finanzbehörde des russischen Imperiums – die Staatsbank gegründet.   

Als 1897 in Russland der Goldumlauf eingeführt worden war, ist die Staatsbank zur Emissionsbank geworden; diese konzentrierte die Goldbestände, setzte in Umlauf die Kreditkarten und die goldenen Münzen.   

 

Bild 3. Kiewer Kontor der Staatsbank auf der Institutskaja-Str.,9. Bild Anfang ХХ.Jhs.


An der Wende des XIX zum XX. Jh. bedingte der heftige Wuchs vom Business die unvermeidliche Modernisierung der Bankanstalten und deren Gebäude. Es hatte sich der höchste Bedarf an die Errichtung einer neuen Finanzzitadelle in Kiew herausgebildet.
Das entsprechende Projekt sollte alle professionellen Anforderungen berücksichtigen inkl.  geräumigen Operationssaal, bequeme Kabinette, sichere Kammer etc.  
Es wurde ein architektonisches Wettbewerb veranstaltet, zu dessen Sieger der Bürgeringenieur Herr Alexander Kobelev wurde. Unter seiner Leitung erfolgte 1902-1905 der Bau eines der schönsten Bauwerke unserer Stadt.

Für die Gestaltung der Fassade wurde zusätzlich noch  ein talentvoller Baumeister Herr Alexander Verbizky herangezogen. So entstand das Meisterwerk der Architektur auf der heutigen Institutskaja-Str.,9.

 Von außen war die Fassade als Palazzo der Renaissance-Epoche stilisiert. Für die Verzierung der Ziegelmauer hatte man außer Putz die Labradorfelssäule sowie für damalige Zeit seltenen Stahlbeton eingesetzt. Aus diesem hatte der Bildhauer Elio Salja (Teilnehmer an besten Projekten von Vladislav Gorodezky) an den Ecken des Hauses die bösen Gestalten der geflügelten Greifen gemeißelt.

Ein Zeitgenosse schrieb: «Dank Einhaltung der Stilkonsequenz, Solidität und Eleganz der Verzierung,  Korrektheit der architektonischen Linien und der strengen Symmetrie wirkt das Bauwerk als monumentale Anlage, welche die Mächtigkeit, Majestät und die Ruhe ausströmt und  vollkommen dem Charakter der Anstalt entspricht, für welche es errichtet wurde».

Es lohnt sich einige nicht bemerkenswerten, aber interessanten Details an der Fassade eingehend zu betrachten. So, z.B. in zwei symmetrischen Risaliten des Gebäudes gibt es die aufeinander folgenden wappenartigen Reliefdarstellungen. Einige darunter sind tatsächlich die Wappen (von Kiewer, Podoler und Voliner Gouvernements). Doch hier sind 4 Pseudowappen eingereiht, welche verschiedene Tätigkeitsbereiche bedeuten, die den Bankkredit benötigen. Merkurstab (Caduceus) symbolisiert  den Handel, Zahnrad und die Symbole von Ingenieurwesen (Zirkel und Reißschiene) symbolisieren die Industrie, Dreschflegel und Ährebündel symbolisieren die Landwirtschaft, Anker, Rad und  Flügel symbolisieren  das Verkehrswesen.
  
 



Bilder 4, 5. Symbole an der Fassade der Nationalbank

Auch die Innenausstattung der Bank beeindruckte den Besucher. An den Wänden des Operationssaales  waren die bemalten Stuckwappen aller 12 Bezirke Kiewer Gouvernements angeordnet; im Zentrum der verglasten Decke war die vortreffliche Gestalt von Archistratigus Michael dargestellt, der als Patron  Kiews gilt. Angenehm rieselte das Wasser in der Fontäne aus dem Weißmarmor. In sämtlichen Räumen verbreitete sich deutlich der Wohlgeruch von blühenden Rosen (frische Luft strömte durch die Lüftung aus Rosarium im Hof des Bankgeländes ein)! 




 
Bild 6. Feierliche Eröffnung des Gebäudes der Staatsbank.
Bild 1905.

Bild 7. Nationalbank der Ukraine

Schon in der Sowjetzeit, als Kiew die Hauptstadt der Ukrainischen SSR war, wurde die Frage über die Erweiterung von Räumlichkeiten der Staatsbank erörtert. Es ist angenehm darauf hinzuweisen, dass die Rekonstruktion des Bankgebäudes ohne jeglichen Verlust in Bezug auf dessen Schönheit erfolgte.  Dem Architekten Valerian Rikov in Zusammenarbeit mit dem Autor des ursprünglichen Projektes Alexander Kobelev hat es gelungen zu erreichen, dass zwei Stockwerke höher gewordenes Bauwerk seinen ursprünglichen Baustil   aufbewahrte und noch repräsentativer und monumentaler wurde.

Seit jener Zeit kann man an der Fassade der Nationalbank die Baujahre „1902-1905“ sehen, welche durch das Datum „1934“ deren Rekonstruktion ergänzt worden ist.  
Bis heute bleibt das Aussehen der Bank (heute schon Nationalbank der Ukraine) wie 75 Jahre zuvor erhalten. Einige Elemente der ehemaligen Pracht in ihrem Interieur sind zurückgewonnen worden. Im Deckenbereich des Operationssaales, wo sich eine längere Zeit das sowjetische Wappen befand, wurde das Antlitz  von Archistratigus Michael  wiederhergestellt. Obwohl beim Versuch  der Restauratoren den Effekt des Rosaaromas wiederbeleben zu können, stellte es sich heraus, dass es leider unmöglich war. An der Stelle des  ehemaligen Rosariums steht schon längst eine Garage… 

Bild 8. Kiewer Abteilung der  Bäuerlichen Grundbesitzerbank und der Adelsgutsbesitzerbank auf der Vladimirsakaja-Str, 10. Bild 1910-er.


Zum Ende des XIX. Jhs war die Staatsbank im reformierten Finanzsystem bei weitem nicht  das einzige Kreditinstrument. In Rücksicht darauf, dass der größte Teil des Vermögens von Privatleuten  die Grundstücke und Ländereien waren, stiftete die Regierung  die Bäuerliche Grundbesitzerbank.

Parallel zu dieser Bank wirkte noch die Staatliche Adelsgutsbesitzerbank, die den mit Schulden belastenden Großgrundbesitzern entsprechende Beistände leistete.    

Mit der Zeit vereinigten sich die Leitungen beider Banken.  Diese beiden Strukturen verwandelten sich  in eine Art kommunizierende Gefäße, die mit Geld und Boden anfüllt waren.  Mit der Hilfe dieser Banken kontrollierte die Regierung die Preise  für  das Landwirtschaftsimmobilien und Ländereien und ließ diese nicht rasch steigen und fallen.
Ende 1900-er und Anfang 1910-er Jahren  in der Zeitperiode der Stolipyn- Agrarreform leistete der von beiden Banken akkumulierte Bodenfonds die Einzelgehöfte  in günstigen Formen zu gestalten, fördernd dabei die einzelnen Bauern aus den Gemeinden auszutreten. Hunderten tausenden von Grundstücken  wurden den einzelnen Bauern verkauft, die imstande waren die  haltbaren Privatwirtschaften zu schaffen. Eine der einflussreichen Abteilungen der Bäuerlichen Grundbesitzer- und der Adelsgutsbesitzerbanken befand sich  in Kiew, weil Kiewer Gouvernement als eine der führenden landwirtschaftlichen Regionen des Imperiums galt. 1910–11 ist für diese ein neues Gebäude nach dem Projekt des schon erwähnten Architekten Alexander Kobelev auf der Vladimirskaja-Str., 10 gebaut worden.  

Bemerkenswert ist, dass der Baumeister Kobelev den Bauplatz direkt an der Stelle ausgesucht hatte, wo während der uralten Zeiten von Kiewer Rus das „Herz“ der Stadt war. Für die Außengestaltung des Dreietagebauwerkes sind allerlei byzantinischen und slawischen Dekormotive eingesetzt worden;  an der Balkonumzäunung  kann man bisher die Reliefprofile von antiken Recken mit Helmen und Schilden sehen.
Nach dem Oktober-Putsch 1917 ist in diesem Gebäude der Zentraltelegraf untergebracht worden und 1953 erhielt es zusätzlich viertes Stockwerk, das architektonisch ins Außenbild des Bauwerkes perfekt eingebunden ist.
Im Finanzleben der Kapitalismusepoche besaß auch der Privatkredit einen wesentlichen Platz. Ein großes Netz  von großen Banken mit dem Aktienkapital entfaltete seine Tätigkeit im Russischen Imperium. In der Regel, konzentrierten ihre Zentralverwaltungen in Sankt- Petersburg und Moskau. Deren einheimischen Kontore in Kiew befanden sich vorwiegend auf der Hauptstraße Kreschtschatik. Die Privatbanken hatten grundsätzlich gleiche Operationen wie Staatsbank ausgeführt, unterschieden sich doch  durch die recht höhere  Bewegtheit und einigermaßen günstigere Einlagezinsen (Differenz lag bei 0,5-1%, doch war für die Kundschaft ziemlich anziehend). Abgesehen davon, unterlagen die privaten Bankanstalten bestimmten Risiken.  

Bis heute sind die repräsentativen Gebäuden erhalten geblieben, die aus 1910-er stammen, das sind: Kiewer Zweigstelle von Sankt- Petersburger Diskont- und Leihbank  (Kreschtschatik, 8), Wolga-Kamsky Kommerzbank (Kreschtschatik 10), Russische Außenhandelsbank (Kreschtschatik, 32). Alle stellten ganze Baukomplexe dar, die nach gleichem Prinzip aufgebaut waren: die Vorderseite auf der Hauptstraße war für Offices, Kabinetts vorgesehen sowie die Gewinnräume, die vermietet wurden; tiefer waren die Operationssäle mit Glasdecken untergebracht  (die Kellerräume wurden als sichere Lagerräume benutzt); im Rücken befand sich das Wohnseitengebäude, wo die Bankbeamten  wohnten.

Zwei Nebenbauwerke (Kreschtschatik, 8 und 10) sind im „Neo-Ampir“- Stil  errichtet. Sie sind 1914-1916 vom Baumeister Pavel Andrejev gebaut worden, das erste - nach dem Projekt des Akademikers Leonty Benua, das zweite – nach eigenem Projekt.
An der Fassade der Wolga-Kamsky Kommerzbank sind die figurenreichen Basreliefkompositionen erhalten. Deren Zentralgestalten sind die Antikengötter: Gefest  (Vulkan), Poseidon (Neptun) и Hermes (Merkur). Sie symbolisieren entsprechend die Industrie, Schiff-Fahrt  und Handel, d.h. die durch diese Bank finanzierenden Branchen.
Zurzeit wird der Operationssaal auf der Kreschtschatik-Str., 8 durch die Bank „Kreschtschatik“ und auf der Kreschtschatik-Str., 10 durch einen Lombard besitzt.  

Das Gebäude auf der Kreschtschatik-Str., 32 (Baujahre 1911-13, Architekt Fjodor) ist im Baustil der sog. modernisierten Renaissancen gebaut. Die Statuen über seinen Gesimsen symbolisieren den Handel und  und die Seefahrt.
 

Bild 9. Bank auf Kreschtschatik-Str. 32

 

Bild 10. Abgebranntes Relief Kreschtschatik-Str. 32

Eine bedeutende Rolle im Stadtleben spielten die Banken, welche auf die Kapitalanlage  in die Immobilien orientiert waren. Wenn eine übliche Bankrente jährlich etwa 4-5% ausmachte, so  erzielten die Investitionen in die Gewinnhäuser (Häuser zu vermieten) ca. 10% und mehr reinen Profit, was für damalige Verhältnisse sehr günstig war.  Deshalb war es vorteilhaft die Wohnhäuser mittels langfristiger Hypothek zu bauen. Darauf spezialisierten sich die Kiewer Kreditgesellschaft und Kiewer Bodenbank.
 Die Tätigkeit solcher Banken förderte das Bauwesen in Kiew. Die Bodenbank besaß das ehemalige Börsengebäude auf der Institutskaja-Str., 7, wo heute Klub des Ministerkabinetts der Ukraine untergebracht ist.  
Alle Bauwerke, mit denen uns der vorliegende Artikel vertraut gemacht hat, gelten als hervorragende architektonische Denkmäler. Doch nicht nur diese Tatsache ist bemerkenswert, sie erinnern uns belehrend an die Zeiten des entwickelnden  Kapitalismus, als das ganze Banksystem in unserer Stadt einen perfekt funktionierenden Mechanismus darstellte und die Bedarfe jeglicher Kunden befriedigen konnte.

 Kiew, Juli 2009