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Der weise Kreidefelsen, 343 m Höhe, neben Stadt Belogorsk, Krim, 2009
 
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Der weise Kreidefelsen, 343 m Höhe, neben Stadt Belogorsk, Krim, 2009
Donnerstag, 15 November 2018

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Artikel >  Gründung des Apothekenwesens in Kiew

 

Apotheker bei der Arbeit

 
Eugen SKIBIN, Guide-Dolmetscher, extra für „Prime Excursion Bureau“

Im Altertum wurden die Heilmittel unmittelbar von denen hergestellt, wer sich mit der Gesundheit der Kranken beschäftigte: Kurpfuscher, Schamanen, Zauberer, волхвами Wahrsagerinnen etc. Erst mit der Zeit erfolgte die Abtrennung und die Apotheken erwarben die Selbständigkeit. Die Erfahrung in der Behandlung der Kranken, die Angaben über die speziellen Kräuter, Heilmittel der Naturherkunft wurden schon seit den Urzeiten der Kiewer Rus von einer Generation zu anderer weitergeleitet bzw. vererbt. Im Altertum verkauften die „Wunderdoktoren“ auf den Marktplätzen die Heilkräuter, Tinkturen, Amuletten, leisteten die medizinische Hilfe, allerlei Empfehlungen und… die Zukunft voraussagten.

 

Weit bekannt waren die Pulver,  Salben, Aufgüsse und  Absude, „Zaubertränke“. Die Quacksalber fertigten die sog. „Erbsen“  – Tabletten, die unter die Zunge  mussten, verordneten die Bäder aus  Heilpflanzen. Die Heilmittel wurden in speziellen Kellern aufbewahrt, die als  Prototype der Apotheken gelten. Aber im heutigen Sinne dieses Wortes gab es in der Kiewer Rus noch keine Apotheken. 

 

 Die Annalen enthalten die Angaben über den Zustand von Medizin und  Pharmazeutik in der Kiewer Rus. Daraus folgt, dass in der Volksmedizin und in der Praxis von professionellen Ärzten der fürstlichen Zeiten die Heileigenschaften solcher   Pflanzen, wie  Wermut, Rhabarber, Spugna, Nessel, Escherinde,  Wegerich, Helleborus benutzt wurden. Ab und zu wurden „mit Müh und Not“ ganz exotische Komponente eingesetzt: von Kreuzspinne, Spinne Latrodectes, Skorpion... bis zu schwarzer Schabe und Viper... All dies wird auch von heutigen Homöopathen benutzt.

Am Krankenbett Pest-Epidemie


Die Wegbereiter in der Medizin unter unseren  slawischen Vorfahren und deren  Nachfolgern – Ärzten der Kiewer Rus – hatten fast die ganze in der Welt praktizierte Erfahrung in Heilung der Krankheiten  beherrscht sowie auch eigene dazugegeben. Den ukrainischen Alchimisten übrigens (so wurden im Mittelalter auch die Philosophen und Chemiker genannt) gehörten die „Siegeslorbeeren“ in der medizinischen Anwendung von  Pottasche (К2СО3) und Asche. Die uralten ukrainischen (oder, wie man damals sagten –russische) Ärzte heilten die alten Wunden und Verbrennung  mittels Asche.

 Die traditionelle Medizin (Volksmedizin) entwickelte sich weiter, aber deren Potenzial reichte offensichtlich nicht aus, um den verbreitenden Infektionskrankheiten jener Zeiten, Seuchen und  Massensterben widerstehen zu können, von denen Tausende Leute starben. In den Großstädten wurden deswegen die offiziellen öffentlichen Apotheken eröffnet. Für die Herstellung der Medikamente benutzte man  primitives Zubehör und Geschirr: Zinnkrüge, Behälter für Wachsschmelzen, Kupfermörser, Pfannen, Spachteln usw. Die Apotheker bereiteten auch die Torten und Liköre. Die Apotheke jener Zeit ähnelte sich  mehr einer Konditorei als einer medizinischen Anstalt. Das Apothekenwesen Anfang des XVIII. Jahrhunderts kennzeichnete sich somit durch einen handwerklichen Charakter. Doch allmählich erwarb  das Apothekennetz die privaten Züge. 

Eine der ersten Apotheken im alten Kiew

 Über die Existenz des Apothekengewerbes in Kiew bis zum Anfang des XVIII. Jahrhunderts ist nichts bekannt. Die erste Apotheke in Kiew ist 1709 im Stadtviertel Petschersk geöffnet worden. Der Provisor I. Tschkalov leitete sie. Damals kontrollierte der Staat die Tätigkeit von Apotheken und gewährte diesen bestimmte Privilegien im Vergleich mit anderen Handelsunternehmen.

Niemand durfte eine Apotheke in der Stadt oder im deren Vorort eröffnen ohne Zustimmung des Besitzers der ersten Apotheke.  Die Pharmazeuten wurden vom Militärdienst entbunden und als Ehrenbürger ernannt. In Apotheken wurde nicht nur die medizinische Hilfe geleistet, sie stellten auch die chemischen Labors dar. Neben den privaten gab es auch die staatlichen Apotheken.

  Mit Genehmigung des Imperators Peter I. wurden in Kiew im Februar 1715 eine staatliche Apotheke sowie Apothekengeschäft eröffnet, welche mit den Medikamenten  die Truppenteile, Hospitale und später die  Beamten der Kiewer  Gouvernementskanzlei sowie die Bevölkerung versorgten. Der Geschäftsführer war Provisor Herr Biermann und späterhin Herr Ivan Wendel.

 Ende XVIII. — Anfang  XIX. Jahrhunderts entwickelten die Apotheken als Handelsunternehmen mit speziellen Betriebsräumlichkeiten, wo die Medikamente,  Tierarzneimittel, Kosmetika hergestellt wurden.


Dynastienwappen der Apotheker Bunge
Familiensitz von Bunge 

 Die Einrichtung der Apotheken war verschiedenartig je nach dem Wohlstand des Besitzers. Jeder Provisor gab Mühe  möglichst besser den Handelsraum auszustatten, um die Kunden dadurch  gewinnen zu können. Die Tätigkeit der Apotheken wurde streng seitens örtlicher Macht kontrolliert. So, z.B., den Ärzten und Apothekern verboten wurde ihre professionellen Pflichten auszuüben ohne Vorhandensein   der Universitätsdiplome.

Einmal im Jahr hatte man in jeder Apotheke die Revision durchgeführt. Im Fall des Gesetzverstoßes wurde dem Besitzer gegenüber eine entsprechende Strafe erhoben. Es wurde auch verboten viele Apotheken in den Städten zu eröffnen, um die Konkurrenz zu vermeiden. Eine besondere Aufmerksamkeit wurde der Qualität von hergestellten Arzneien gewidmet. Um eine Bewilligung  für die Eröffnung erhalten zu können, sollte man ein Examen von einer sachkundigen Kommission bestehen.

In den ersten Jahrzehnten des XVIII. Jahrhunderts war eine private Apotheke für  „breiten Kreis der Kunden“ eine recht ungewöhnliche „Erscheinung“. Die erste Apotheke im „Moskauer Staat“ diente  dem Bedarf des „Zarenhofes von Ivan Schrecklichen“ und mit der Zeit kamen einige staatlichen Apotheken zum Vorschein. Peter I. erteilte 1701 die Genehmigung für die Stiftung von  8 privaten Apotheken in Moskau.
Im August 1721  wurde die Gründung von „freien“ Apotheken in Sankt Petersburg sanktioniert. Unerwartend schnell – nur sieben Jahre später -   für das russische schwerfällige Staatssystem erschien die erste „freie“ Apotheka auch in Kiew.

1728 gewährte der russische Imperator Peter II. dem deutschen Kolonisten Johann Heiter  das Recht  die partikularistische (d.h. private) Apotheke bzw. Pharmazie zu stiften.  Für die Entwicklung des Apothekenwesens in Russland hatte diesen Menschen schon Peter I. eingeladen. Vorher  gab es in unserer Stadt nur eine Anstalt am Hospital, welche nur die Militärs behandelte. Die Apotheke von Heiter blieb die einzige Privatapotheke in Kiew bis 1770-e.  Das neue Business erwies sich als recht profitabel. Die Kiewer, welche mit den Medikamenten in der Apotheke (in Podol) versorgt wurden, befanden sich in „zuverlässigen Händen“. Nach Behauptung des Historikers M. Zakrevsky („Beschreibung von Kiew“)sollte Johann Geiter die Pharmazie in Moskau studiert haben.  In der Ukraine war er im Militärdienst.

 Herr J. Hunninger, der die Witwe Frau Anna des verstorbenen Apothekers J. Heiter   heiratete, hatte die Apotheke geerbt. Er war nicht nur Apotheker, sondern auch Militärarzt. Herr Georg-Friedrich Bunge (auch der ethnische Deutsche), der nächste „Magister der Pharmazie“, wurde von Frau Anna  Hunninger nach dem Sterben ihres zweiten Gattes eingeladen, die Apotheke zu verwalte. Georg Bunge studierte  Pharmazeutik sieben Jahre lang in Tilsit bei einem privilegierten Apotheker  und erhielt von seinem Lehrausbilder  „recht schmeichelhafte Attestation, die über seine höhe  Gewissenhaftigkeit,  Arbeitsamkeit und gründliche Kenntnisse zeugte“.

Interieur des Museums

 Im Jahre 1751 heiratete Georg Bunge die Tochter von Frau Hunninger Katherine und leitete die Apotheke weiter, welche seine Ehefrau  als Mitgift erhielt. Herr Gunde war ein ausgebildeter Wissenschaftler jener Zeit. Wie viele seiner Landsleute kam er 1749 nach Russland in der Suche nach besserem Schicksal und ein Jahr später gelang er in Kiew. Durch seine Exzentrizität zog er die Aufmerksamkeit auf sich seitens  Zeitgenossen. Einer davon charakterisierte ihn wie folgt: „Außer Botanik, Chemie und Pharmakologie befasste er sich noch mit  Elektrizität, Herstellung von Barometern und Thermometern,  Dreherkunst sowie  machte die Abdrücke von Medaillen. Sein Zimmer war mit Porträts von alten Weisen sowie wunderbaren chinesischen Gemälden auf dem Papier geschmückt, welche er von einem Vorsteher des basilianischen Ordens vererbt hatte, welcher in China war“. 

 1779 während der Genehmigung seines Titels des privilegierten Apothekers in Kiew  hatte G. Bunge  die russische Staatsangehörigkeit erworben. Am 10. Oktober 1791 wurden er und seine  Angehörigen aufgrunde der vorgelegten Dokumente und nach dem Beschluss von Abgeordnetenversammlung ins Adelsstammbuch des Kiewer Gouvernements eingetragen.

Gründer des Kiewer Familienzweiges von alten liefländischen (schwedischen) Aristokraten, verfügte  Georg-Friedrich Bunge über die außergewöhnlichen Fähigkeiten für Naturwissenschaften und großen Drang nach Unternehmertum. Er hatte die geschäftlichen Beziehungen mit den Lieferanten und der Kundschaft in der ganzen Welt angeknüpft. Er hatte seine Apotheke mit der modernsten Technik damaliger Zeit ausgestattet.

„Gründliche Kenntnisse“ – die fundamentalen theoretischen Kenntnisse und   die professionellen Fertigkeiten brauchte Georg-Friedrich nicht nur dafür, um die Medikamente nach den Rezepten herzustellen. Die damaligen Apotheker hatten oft selbst die notwendigen Substanzen  zu gewinnen oder die Verbindungen zu erhalten, welche die Bestände von Pulver, Tröpfe, Mixturen und Mineralwässer enthielten. Obwohl schon in der zweiten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts entwickelte sich Chemie in eine separate wissenschaftliche Branche, blieben doch die Kenntnisse in Chemie  als Monopol von Ärzten und Apothekern in Deutschland, Frankreich und Russland. 

 Die Apotheken waren auch die Chemielaboratorien und „Lehranstalten“, wo die zukünftigen Spezialisten die Kenntnisse erwarben. Noch längere Zeit war das Wort „Apotheker“ das Synonym zum „Chemiker“. Bis heute  gibt es den Fachberuf Chemiker-Analytiker. Es geht hier um den Spezialisten für Technologie der Herstellung von Medikamenten und  analytische Kontrolle der durch Apothekennetz an die Kundschaft gelieferten Präparate, um festzustellen, ob deren Komponente den bestimmten Angaben entsprechen.

Georg-Friedrich Bunge hatte eine große Familie:  8 Söhne und 4 Töchter. Zwei Söhne – Christian und Gottlieb verstarben schon in früher Kindheit, andere übernahmen das Vaters Business und leutete es weiter. Nach seinem Testament sollte die Apotheke ins Eigentum der Söhne Johann-Friedrich und Andreas übergehen, welche sich um ihre jüngeren Brüder Christian, Christopher und Jakob zu kümmern hatten. Georg Bunge- der jüngere hatte schon eigene Apotheke und „stand schon fest auf den Füßen“, Jakob erhielt seinen Teil von Erbschaft, machte Militärkarriere  und siedelte auf die Krim um. Johann gründete bald seine eigene Apotheke und die vom Vater erhielt Andreas. 

 Johann-Friedrich wurde zu Ehren des Großvaters, Gründers der ersten Privatapotheke in Kiew Herrn  Johann Heiter genannt. In seinem Apothekenladen konnte man außer  Arzneien auch viele andere Waren wie Aromamittel, Heilweine, Heilkräuter, Gewürze etc. kaufen. Diese Apotheke hatte über 100 Jahre den Kiewern gedient, ist aber nicht erhalten. Herr Johann-Friedrich war hochausgebildeter Mensch und widmete sich den wissenschaftlichen Erforschungen. 

 Noch eine Apotheke (die nach der Revolution aucg zerstört wurde) besaß  der Sohn Gregory. Gregory Bunge war Provisor von St. Petersburger Apotheke und erhielt ein Belobigungsschreiben für die Vollziehung der Verpflichtungen mit „Sondereifer und Fleiß“. 

  Im guten Andenken bleibt der Sohn Andreas Bunge. Er bewirtschaftete die Vaters Apotheke in der Unterstadt Podol,  schuf einen speziellen botanischen garten im Stadtviertel Kurenjovka, welcher die ganze Stadt und eine Hälfte der Ukraine mit  Heilpflanzen versorgte. Es war gerade Andreas Bunge, der als der erste die einmalige Eigenschaft  der damals wenig bekannten Pflanze Isatis tinctoria L erforscht hatte. Später gründete er in Kiew eine Fabrik, wo die berühmten blauen Färbemittel für die Wollstoffe hergestellt wurde, welchen keine anderen in der Welt Konkurrenz machen vermochten. Für diese Erfindung hatte der Imperator Alexander I seinen persönlichen Dank dem Apotheker Andreas Bunge ausgesprochen.

 Es fiel Andreas Bunge nicht einfach viele Beschäftigungen zu vereinigen, deshalb lud er   für den Unterhalt der Apotheke den Pharmazeuten  Ivan Tezner (aus der Stadt Kharkov) als  seinen Assistenten und  Geschäftspartner ein. Er beauftragte ihn sich mit den Rezepten und  dem Laboratorium samt allen Materialien und Medikamenten zu beschäftigen. Die Enkelin von Georg Bunge heiratete späterhin Ivan Tezner, der eine gute Ausbildung in Chemie erhielt und Pharmazie  in Leipzig studierte. Mit Erlaubnis des Kiewer Medizinischen Vorstandes wurde  Ivan Tezner  zum Beteiligungspartner von Andreas Bunge. Nach Ablauf einer Zeit ging das Unternehmen völlig in den besitz von Ivan Tezner. Nach seinem Tod wechselte die Apotheke einige Besitzer und 1839  war auflöst worden.

Andreas Bunge verstarb im Alter von 48 Jahren, vererbte   sein botanisches Eigentum seinem Sohn Alexander, der zu einem der Gründer von Systematik der Pflanzen, dem Professor  der Dorpat-Universität und dem Direktor des botanischen Gartens dieser Universität wurde. Ihm zu Ehren sind einige Pflanzenarten genannt. Einer der Söhne von Alexander Bunge ist als Autor der Lehrbücher für physiologische Chemie bekannt. Er wurde in Dorpat geboren, studierte und erhielt dort den Grad von Doktor für Chemie, den  Grad von Doktor für Medizin erhielt er in Leipzig und  Doktorehrentitel – an der St. Wladimir-Universität in Kiew, wo er zum Professor für physiologische  Chemie ernannt wurde. Die Söhne von Alexander Bunge – Benvenuto und Alexander waren auch die Doktoren für Medizin.

Der bekannte Kiewer Epidemiologe der ersten Hälfte des XIX. Jahrhunderts Christian Bunge – einer der jüngsten Söhne des Kiewer Apothekers Georg-Friedrich Bunge -  wurde 1776 geboren. Erhielt die medizinische Ausbildung in Sankt Petersburg, studierte dann weiter in deutscher Stadt Jena, wo zum Doktor  der Medizin für sein Werk „Über die epidemischen Krankheiten in Kiew“ ernannt wurde und hatte letzten Endes unserer Stadt sein Leben gewidmet. Er war an Kiewer Mogila-Akademie und späterhin als Stabarzt tätig, zeichnete sich während des Vaterländischen Kriegs 1812 aus, wofür ihm die  Medaille „Für hervorragenden 30-jährigen Dienst als Stabarzt und Hofberater“  verliehen wurde. 


Interieur des Museums  

Im Jahr  1814 wurde der Mediziner mit einer Bronzemedaille komplett  mit dem Ordenband des St. Wladimir für tadellosen Dienst  und uneigennützige Hilfe ausgezeichnet. Christian Bunge war Gründer des Kiewer Ärztevereins, genoss eine große  Popularität auch als Kinderarzt bzw. Pädiater. Er wohnte im Flügel des Apothekengebäudes in Podol und 1818 erwarb im Stadtviertel Petschersk ein kleines Holzhaus mit einem Grundstück, wo er verschiedene Obstbäume sowie dekorative Pflanzen züchtete. Hierher, ins Heim seines Großvaters wurde der kleine Junge Michael Bunge aus Warschau gebracht,  der im ersten Kiewer Gymnasium lernte. Nach dessen Abschluss  wurde er an die St. Wladimir-Universität  immatrikuliert, dann erhielt den Kandidatengrad  der Naturwissenschaften und als  Dozent und nachher Professor  für technische Chemie der Kiewer Universität gewählt worden war.  Viele Jahre hindurch leitete er Kiewer Technischen Verein und war  Initiator der Gründung von  Kiewer Polytechnischer Universität. Der talentvolle (organische) Chemiker M. Bunge war der erste,  der die Möglichkeit von Nitrierung mittels Stickstoffmonoxid bewiesen hatte, was einen breiten Einsatz   in der pharmazeutischen Analyse fand.


Interieur des Museums

 Seit 1856 bis 1864 war er Rektor  der Kiewer St. Wladimir-Universität. Dann wurde von der Zarenfamilie nach Sankt Petersburg eingeladen, damit er den zukünftigen Imperatoren Alexander III und Nikolai II unterrichtete.  Michael Bunge hatte das Projekt des Gesetzes über die Abschaffung  der Leibeigenschaft entworfen, war als Finanzminister des Russischen Imperiums und mit der Zeit als Ministerpräsident tätig.

Der jüngste Sohn des Apothekers  Bunge – Christopher war als Gründer  der Russischen Veterinärakademie und Professor der  therapeutischen Kliniken bei Moskauer Universität bekannt. Er absolvierte die medizinisch-chirurgische Akademie in Sankt Petersburg. In sämtlichen Enzyklopädien  und Katalogen ist sein Name als Gründer  der veterinären Hochausbildung in Russland eingetragen worden. Über dreißig Jahre bekleidete   Christopher Bunge die Professur für Veterinärdiätetik, - Pharmakologie,  - Pathologie und  -Therapie in der Moskauer medizinisch-chirurgischen Akademie. Er hatte als der erste den Milzbrand entdeckt und beschrieben. Unter seiner Leitung wurde 1830 der Pest-Ausbruch unter  Rindvieh in Tschernigover und Poltawer Gouvernements  der Ukraine  liquidiert.  

Die in Europa erworbene Ausbildung,  Intelligenz und inspirierte sowie schöpferische Arbeit ließen den Vertretern der Familie bzw. Dynastie Bunge das Ansehen des Kiewer Apothekenwesens und der Naturwissenschaften erheben und festigen. Heiter, Hunninger, Bunge, Tezner -  das ist ein Pleiad von Spezialisten der höchsten Klasse, welche die Besitzer der Apotheke während deren Blütezeit  waren.  

 Das „Gütezeichen“ dieser namhaften  Dynastie waren die angeborene Manierlichkeit,  unbeugsame Energie, breite Gelehrsamkeit verbunden mit der Notwendigkeit zugunsten  der Menschen zu arbeiten. Die Fremden und gleichzeitig Patrioten des Landes, wo sie sich durch eine Fügung des Schicksals niederließen, hatten der Vater und Söhne Bunge dem ukrainischen Apothekenwesen nicht nur dank ihrer Ergebenheit dem gewählten Beruf, sondern auch  ihren Anständigkeit,  Freigebigkeit, Wohltätigkeit gedient. „Wer versucht im Wasser ein Loch zu machen, der verschwendet die Kräfte“ –schrieb einer von Bunge. Das Leben und die Tätigkeit von Vertretern dieser angesehenen Dynastie war ein sprechendes Beispiel des erstaunlich fruchtbaren  Kraftaufwandes.

 Der mächtige genetische Kode von George-Friedrich Bunge  bedingte die hervorragenden Errungenschaften seiner zahlreichen Nachkommen in solchen Branchen, wie Ökonomie und Rechtswissenschaft, Biologie und Medizin, Pharmazie  und Chemie. Ihre wissenschaftlichen Entwicklungsarbeiten und gesellschaftlichen Errungenschaften waren damals beinahe revolutionär und bis heute haben deren Bedeutung nicht verloren. 

 Den Namen Bunge kann man in verschiedensten Nachschlagewerken, Enzyklopädien, wichtigen historischen Unterlagen finden.

Die Pritisko-Nikolskaja-Straße, die sich in  Unterstadt Podol befindet, ist immer belebt, weil hier viele Touristen eintreffen, um sich mit der Architektur und Lebensweise des Frolovskiy-Nonnenklosters vertraut zu machen.  Hier in der ganzen Nachbarschaft befindet sich ein schönes und gemütliches Häuschen.

Fallen zwei Familienwappen und die  Inschriften über der Eingangstür auf: „Johann Heiter, 1728“ und  „George Bunge, 1751“. In 70-er Jahren des vorigen Jahrhunderts hatte man zurückgedacht, dass hier sich die erste Kiewer Privatapotheke befand.

Das Sortiment der Apotheke überraschte. Man konnte hier die Salben, Mixturen,  Tabletten etc. kaufen; nach der Bewertung der Wissenschaftler sollte die Apotheke über 960 Arzneibezeichnungen verfügen. Dabei hatte sie zwei Listen von Medikamenten: eine für die unvermögenden und eine separate für die reichen Leute. Die Apotheke erlebte ihre Blütezeit von 1728 bis 1839. Sobald die Geschäfte der Besitzer schief liefen, zog sich die Pharmazie in ein mehr schlichtes Gebäude um. Und wer konnte sich vorstellen, dass sie in anderthalb jahrhundert zu deren „heimischen Penaten“ zurückkehrt.  Das Gutshaus der Bunge-Familie wurde wiederhergestellt und im Jahre 1986 eröffnete man hier das Apotheke-Museum. Es ist sehr interessant dieses Apotheke-Museum zu besuchen, wo Sie eine exklusive Exposition bewundern  können, welche die Geschichte der Kiewer Pharmakologie präsentiert. 


Interieur des Museums  

Das Museum besteht aus zwei Bereichen – das sind nicht ein großer Flügel  und die Apotheke selbst. Die Exponate  der Apotheke wurden im ganzen Land gesammelt, welche auf dem Gesamtfläche von 750 m² in 12 Räumen untergebracht sind. Hier sind die Muster des Apothekengeschirrs verschiedener Epochen, Apothekenmöbel von XVIII-XIX. Jahrhunderten,  Gläser, Fläschchen für Medikamente,   Fragmente der Handschriften verschiedener Pharmazeuten der vergangenen Jahrhunderten, Lehrbücher für Medizin, Pharmazie und Therapie,  Rezeptbücher und viele andere interessante Museumsgegenstände   zur Schau gestellt. Die Museumskollektion zählt  über 50 000 Exponate. Vom großen Interesse sind der Höhle-Saal, christlicher Saal, Quacksalber-Hütte,  Labor  des Alchimisten, Weinkeller. 

 Der erste Museumsraum ist  Handelssaal, wo das alte Interieur wiederhergestellt wurde. Gegenüber der Einganstür ist eine Rarität zu sehen – geschnitzter Schrank mit Glasmalerei, wo  Asklepios mit dem symbolischen schlangenartigen Stab dargestellt ist (nach dem Namen dieses Gottes wurden die Mediziner späterhin als Äskulape genannt).

Unter Museumsgegenständen

 Gleich daneben sieht man einen österreichischen Tresor (Baujahr 1896), in dem die Medikamente aufbewahrt wurden. Wie hundert, zweihundert Jahre zuvor sowie auch heute sind auf den Fläschchen die Etiketts von zwei Arten aufgeklebt -  die weißen  mit der schwarzen Beschriftung enthalten die  unschädlichen/harmlosen Mixturen und die schwarzen mit der weißen  Beschriftung und  rotem Streifen enthalten die giftigen und narkotischen  Lösungen.

Die Registrierkasse «NATIONAL»  amerikanischen Fabrikats wurde neulich 100 Jahre alt und ist auch heute funktionsfähig. Eine große Sammlung von Apothekengeschirr überrascht durch dessen Mannigfaltigkeit. Es ist aus Holz, Keramik, Glas angefertigt.

Weiter steht das Arbeitszimmer  des Apothekers (XIX. Jh.) zur Besichtigung, wo die Exponate gesammelt sind, welche über die Geschichte der Medizin und  Pharmazeutik erzählen: Arzneibücher  in Russisch, Deutsch, Polnisch, Lehrbücher für Medizin, Pharmazeutik und Therapie jener Zeit, die privaten Archive  der Kiewer Apotheker, alte Rezepte etc. 

  Im Saal des Pharmazeuten gibt es auch eine Sammlung von verschiedenen Gefäßen: Fläschchen,  Mörser,  Waagen, Pressen, Anlage für das Formieren   von Pillen (in damaliger Zeit war das ein sehr kompliziertes Verfahren. Es gibt hier eine Menge von Exponaten, welche die Kiewer hierher gebracht hatten. Auf solche Weise ergänzten die  Kollektion eine Dose mit  Jodtinktur (bist heute zulötet!), Blätter mit Puder, Seife, Zahnpulver, Mittel für Schnurrbartpflege – alles stammt aus Anfang des XX. Jahrhunderts. 

 Weiter begeben wir uns  ins Apothekenlabor, wo die Muster von  Rohmaterial für die Herstellung der Medikamente, entsprechende  Instrumente und andere Ausstattung für diese Zwecke ausgestellt sind: allerlei Waagen, Mikroskope, steinerne und Porzellanmörser,  Mühle – also, alles ohne was die Arbeit eines Provisors unvorstellbar ist.  

In der pharmazeutischen Halle herrscht die Arbeitsatmosphäre: auf dem speziellen Tisch liegt der sortierte Kraut, stehen die Mörser, andere Vorrichtungen. Es scheint, als ob der Provisor für eine Weile den Raum verlassen hätte. Zur Kenntnis: es wurde hier nur im Stehen gearbeitet, denn die Arbeit sehr verantwortlich war. Ist der Meister müde geworden, sollte bei ihm kein Wunsch auftauchen sich direkt am Arbeitsplatz zu entspannen. Erst im Jahre 1965 wurde dem Pharmazeuten erlaubt im Sitzen zu arbeiten.  In der Bunge-Apotheke wurden die Tabletten, Salben, Mixturen von  960 Bezeichnungen verkauft. Obwohl gar nicht jeder konnte diese kaufen. Unter wohlhabenden Fräuleins   war es in Mode sich zur kränklichen Blässe zu bringen. Während Balls, Party, im Theater galt es als  renommiert  eine Tablette rauszuholen und dadurch zu zeigen, dass man imstande sei von einem  Provisor behandelt zu werden und seine Leistungen zu genießen.  Im Museum wird eine Zeitschrift von 1934 mit dem Preisverzeichnis aufbewahrt. Die Medikamente kosteten beispielsweise im Durchschnitt von 6 bis 9 Rubel, einige bis und über 12 Rubel. Auf dem Markt gleich daneben verkaufte man  eine Kuh für 3 Rubel… 

  Es gibt hier auch einen alten schweißhemmenden Glyzerin-Stift - Prototyp von modernen, welcher  auch wie die heutigen einen Pull-out- Mechanismus hat. Im vorigen Jahr hat ein Kiewer ein Spiritusmeßgerät gebracht. Sein Wert besteht nicht nur darin, dass es funktionsfähig ist, in seiner Packung  ist das metrologische Attest von 1896, 1898 erhalten. Dies soll bedeuten, dass es schon damals einen bestimmten kontrollierenden Dienst gab, welcher  solcher Art Geräte nach deren Qualifikation testete.   

 Im Kabinett des Apothekers lässt sich leicht vorstellen, wie der angesehene Pharmazeut arbeitete: auf dem Tisch sieht man ein Tagebuch, ein Tintenfass, ein Rechenbrett und  selbstverständlich eine Waage. Im Schrank sind Dutzende von alten Pharmakopöen in  Deutsch, Russisch, Polnisch, Französisch.

Im Saal fällt ein riesiges Panneau ins Auge, wo alle Antikenärzte dargestellt sind. An der Spitze ist Apoll – Patron aller Künste einschließlich der Medizin. Der Weltreisende Johan Müller besuchte die Apotheke in Podol im Jahre 1787 und schrieb nachher, dass er im Kabinett deren Besitzers George Bunge die Porträts von uralten Weise Hippokrates und Avicenna sah. 

 Im Keller gibt es einige Räume, wo in der chronologischen Reihenfolge die Geschichte des Apothekenwesens angeordnet ist. Der erste Saal versetzt den Besucher ins XI. Jahrhundert in die Mönchszelle des Kiewer Höhlen-Klosters, dessen Mönche die  Privilegien genossen die Kranken durch Gebete und Heilkräuter zu behandeln. Interessant ist, dass die Mönche dabei auch die Farbstoffe benutzten, die damals aus Naturrohstoff hergestellt wurden.

Der nächste Saal demonstriert das Interieur  einer Dorfkurpfuscherin mit dem Ziegelofen, kleinen schwachsichtigen Fensterchen und duftenden Heilkräutersträußen im Deckenbereich.

Weitergehend gerät man ins Labor eines mittelalterlichen Alchimisten mit seinen Destillationsgeräten,  Retorten,  verschiedenen Behältern, Kolben, Probiergläsern. Hier gibt es auch einen echten menschlichen Schädel mit den Spuren der Schädeltrepanation. Recht mystisch sieht die Wachsfigur des Alchimisten aus, der anscheinend über irgendwelchen Medikamenten zaubert. Nach erhaltenen Zeichnungen sollte diese Wachsfigur den Gründer dieser Apotheke Johann Heiter dargestellt haben.

Der nächste Saal wiedergibt das Interieur eines Weinkellers, der eine bis Anfang des XX. Jahrhunderts verbreitete Praxis illustriert die Herstellung von Medikamenten auf der Weinbasis. Die Weintinkturen wurden in  Gefäßen mit großer Zahl von Öffnungen (Perkolatoren) zubereitet. Alle Öffnungen wurden mit Kork zugestopf, nachdem drin Pflanzenrohstoff  und  Weit zugetan wurden. Eine Zeitlang muss man dies ziehen lassen.   Nachdem zog man einen oberen oder unteren Kork, um  die reine Tinktur  abzugießen. Der Einsatz des Weines wurde aufgehört, nachdem die negative Einwirkung von Gerbstoffen auf die aktiven  Arzneikomponenten festgestellt wurde. 

Die Bunge-Apotheke erreichte schnell eine mächtige Entwicklung. Den vorhandenen Unterlagen entnahmen wir, dass die damaligen Apotheken einer Qualitätskontrolle durch eine spezielle Kommission der medizinischen Kanzlei unterzogen wurden. 

 



Unter Museumsexponaten

Im entsprechenden Bericht dieser Kommission  wurde angegeben, dass die Bunge-Apotheke im guten Zustand befindet,  die hochwertigen Medikamente herstellt, welche nach deren Inhalt einfach und kompliziert sowie des Naturursprungs sind. Die Kommission wies darauf hin, dass die Realisierung  von Arzneien aufgrunde der Rezepte erfolgt, welche von Ärzten  und Doktoren für Medizin erstellt werden. In der Beilage werden bis Tausend Arzneimittel  aufgezählt, über welche diese Apotheke verfügte. Der Moskauer Physiker A. Schafonsky meinte, dass die Bunge-Apotheke für andere als Musteranstalt  gelten könnte. 

 Das staatliche Medizinische Kollegium hatte die Apotheke mit einem Belobigungsschreiben ausgezeichnet, in dem deren Traditionen hervorgehoben wurden und rief alle Apotheker auf die Bunge-Apotheke  als Vorbild zu  betrachten. 

In seinem Bericht von 1811 an Kiewer medizinische Kanzlei vermittelte Andreas Bunge, dass seine Apotheke in zwei Bereiche aufgeteilt wurde: der erste war wirtschaftlich und botanisch – mit Obst - und Gemüsegärten in der Ortschaft Kurenjowka, wo die Pflanzen angebaut, bearbeiten, gelagert  usw. wurden. Der zweite Bereich beinhaltete Labor und Rezepturabteilung mit komplizierten Technologien und Absatz von Medikamenten. Dabei ist zu erwähnen, dass die Bunge- Familie allmählich auf den Import von Rohstoffen und Arzneien verzichtete indem sie die Naturreichtümer sowie die Erfahrung der einheimischen    traditionellen Medizin sehr breit benutzte.

 Trotz aller Änderungen in der über 280 Jahre dauernden ereignisreichen Geschichte, hat das Museum die ursprüngliche Adresse der Apotheke (Pritisko-Nikolskaja-Str. 7) und ist fast in den selben Wänden untergebracht, wo deren erster Besitzer  Johann Heiter sie gegründet hatte.  (Nach dem riesigen Brand im ganzen Stadtviertel Podol 1881 wurde das Apotheken-Gebäude vom Architekten A. Melensky wiederhergestellt).

Heute funktioniert das Museum auch als eine echte Apotheke. Hier kann man verschiedene handgemachte Arten von Seife,  Heilbalsame und Salben, Tee aus Heilkräutern etc. kaufen, welche von Mitarbeitern des Museum hergestellt werden. Sie wiederbeleben die alten Rezepte aufgrunde der alten Bücher und pflücken manuell die Heilpflanzen.

Verlaufen die Jahre, ändert sich die Welt um uns herum, unsere  Vorstellungen über Medizin, die Behandlungsmittel gegen verschiedene Krankheiten... Doch das Streben nach Wissen, der Wunsch die Leiden  zu überwinden bleiben nach wie vor von erstrangiger Bedeutung. Ohne dies gibt es keinen Arzt, keinen Provisor, keinen Menschen.

Dezember 2011