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Die größte Erdfestung in Europa und die zweitgrößte in der Welt – so ist die Kiewer Festung. Hier kann man die berüchtigte „Todeskutsche“ sehen, in der die zum Tode Verurteilten zur Hinrichtung abtransportiert wurden. Hier geht es auch über den Terroristen D. Bagrov, der den russischen Ministerpräsidenten P. Stolypin 1911 im Opernhaus in der Anwesenheit der Zarenfamilie erschossen hatte.
Die größte Erdfestung in Europa und die zweitgrößte in der Welt – so ist die Kiewer Festung. Keinen einzigen Schuß abgegeben zu haben, hatte die Festung einst eine halbe Stadt „zerstört“ – wegen deren Baus sollte eine große Zahl von Einwohnern des Stadtviertels Petschersk ausgesiedelt werden. Die Festung wurde etappenweise im Zeitraum 1806-1870 errichtet. Der Hauptbereich der Verteidigungsanlage (Neue Petschersk-Festung) entstand in 1830-50 während der Regierungszeit des Imperatoren Nikolai I. Dadurch galt Kiew für die „befestigste“ Großstadt des Imperiums.
Der Geschichte der Kiewer Festung als Verteidigungsanlage sowie als politisches Gefängnis ist das Museum gewidmet, das sich auf dem Gelände einer der Verteidigungsanlagen „Kosoy Kaponniere (schräge Kaponniere)“ des Festungskomplexes befindet. Die Kaponniere wurde 1844 errichtet und stellt einen halbunterirdischen Bau mit dicken Mauern aus Ziegeln und Steinen. Die Mauern haben die Schießscharten und Öffnungen für das Schießen aus Kanonen und Gewehren. Der Name „schräge Kaponniere“ erklärt sich dadurch, dass für das bequeme Artillerieflankenschießen die Kaponniere unter einem bestimmten Winkel zum Erdwall liegt.
Am Anfang der 1860-er Jahre wurde Kaponniere ins politische Gefängnis umfunktioniert. Die ersten Gefangenen waren die Teilnehmer des polnischen Aufstandes 1863. Einige von ihnen wurden direkt an der Festungsmauer erschossen. Späterhin hatte die Opferzahl von Kaponniere durch die Soldaten des aufgestandenen Selenge Regiments im Jahre 1905 und des Pionierbataillons 1907 zugenommen.
Das Museum im Gefängnisbereich der Kaponniere entstand in der Sowjetzeit. Heute ist dessen Exposition erweitert und erneuert. Hier kann man die berüchtigte „Todeskutsche“ sehen, in der die zum Tode Verurteilten zur Hinrichtung abtransportiert wurden. Das Aussehen der Gefängniszellen wurde wiedergegeben – die Zellen für die Soldaten und Offiziere, Karzer, Korridore etc. In den Schaukasten kann man die Kleidungsstücke und Gebrauchsgegenstände der Häftlingen, Gerichtsunterlagen, Militäruniform, Waffe usw. sehen.
Das zweite Museum auf dem Territorium der Hospitalverteidigungsanlage macht die Besucher mit der Geschichte der ukrainischen Fortifikation, beginnend mit der Tripolye Kultur und bis zum Ersten Weltkrieg. Es gibt im Museum viele Originalexponate: Uniforme, Waffe, Militärschemen und Landkarten. Die Führungen sind sehr interessant und informativ.
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Bild. Vernet О. Porträt von Nikolai I, 1830 |
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Direktor der „Kiewer Festung“
Direktor des Nationalen historisch-architektonischen Museums "Kiewer Festung“
Wjatscheslaw KULINITSCH:
«DAS IST EINMALIGES ERBE VON GANZ EUROPA UND WELT...»
Nachdem ich erfuhr, dass Kiewer Festung beinahe die größte Erdfestung weltweit sei und keine sich ebenbürtig in Europa hat, wurde ich überrascht, dass davon die meisten Kiewer desto mehr die Gäste unserer Stadt wissen. Die phänomenale Anlage befindet sich unterdessen im direkten Zentrum Kiews, in einem der Prestigestadtviertel Petschersk und nimmt das Gelände von ca. 20 ha ein. Schade, dass die zahlreichen Touristen und Pilger, die in Kiew eintreffen, um das Höhlenkloster unbedingt zu besuchen, diesen einzigartigen Fortifikationskomplex ignorieren. Dieser umringt eigentlich das Kloster, welches von jeher das Herzstück der Festung, deren Zitadelle war.
Direktor des Nationalen historisch-architektonischen Museums „Kiewer Festung“, verdienter Kunstschaffende, Herr Wjatscheslaw Kulinitsch hat folgendes dem Korrespondenten von „Prime Excursion Bureau“ erzählt:
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– Es wundert mich auch, dass die Kiewer wenig über die Festung wissen. Als mit der Restauration des Hospitalkomplexes begonnen wurde, wo heute die Hauptmuseumsexposition untergebracht ist (es ist lediglich der zehnte Teil der mächtigen Kiewer Festung), hegte ich die Hoffnung, dass die ganze Stadt zu uns strömt, um so ein Wunder anzuschauen. Das geschah leider nicht. Es scheint, dass sich die Kiewer psychologisch der Tatsache noch nicht bewusst sind: in ihrer Heimatstadt eigene echte Festung existiert! Erst wenn es sich um Kamenez-Podolsk, Tschernigow, Sudak oder andere Städte handelt, entsteht im Verstand sofort die Assoziation mit deren Schlössern bzw. Festungen. Dies erklärt sich dadurch, dass diese schon längst die Visitenkarten und Wahrzeichen dieser Städte sind. Ich wollte sehr, damit auch Kiewer Festung mit der Zeit zu einem der markantesten Sinnbilder unserer Stadt wird.
„Nachteil“ der Kiewer Festung besteht vielleicht darin, dass sie sich auf dem Petschersky-Hügel zerstreut, der ein gewaltiges Stadtviertel umfasst. In Rücksicht drauf, dass das Stadtzentrum heute aktiv durch die Hochhäuser auf jedem freien Erdstück bebaut wird, fallen die alten Bauwerke inkl. historische Objekte von Kiewer Festung ins Sichtfeld der Passanten gar nicht. Nur die Ur-Kiewer dieses Stadtviertels kennen diese und wissen, wie diese Befestigungen und Bauwerke einst aussahen. Einige davon liegen außerhalb des Petschersky-Stadtteils. Die meisten befinden sich, gelinde gesagt, nicht im ordentlichen Zustand. Genau zu sagen, viele Erdwälle der alten Festung sind so vernachlässigt, dass man sie für natürliche Abhänge und Hügel hält.
So sieht die Zitadelle Kiewer Festung
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Alte Archivzeichnungen der Petscherskaja-Festung
(moderne Landkarte)
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– Wie groß ist das Territorium der Festung? Woraus besteht sie?
– Die Gesamtlänge aller Wälle des Hauptgeländes der Festung beträgt ca. 10 km. Grundsätzlich bestand Kiewer festung aus vier Teilen. Das Hauptterritorium des Nationalen historisch-architektonischen Museums „Kiewer Festung“ bildet eigentlich fast der ganze Petschersky-Hügel, auf dem zwei Befestigungskomplexe errichtet wurden. Das sind der Wasilkowsky und der Hospitalny/Hospitalkomplex (auf dem Territorium des letzten befindet sich heute Administration des Museums und dessen Exposition). Plus das Gelände der Zwerinezky-Befestigungsanlage – Bezirk des Nationalen Botanischen Gartens Namens Grischko; „Lisaja Gora“ (Kahler Berg), wo einst ein Fort war. Heute hat dieses große Grundstück von 120 ha den Status „Naturpark“ und gehört unserem Museum. Es gab noch die Bastionen in der Unterstadt Podol sowie die Brückenfestungswerke auf dem linken Ufer für die Verteidigung der einzigen Kettenbrücke über Dnepr.
Kiewer Festung verfügte noch über eine Besonderheit: sie hatte drei Drahtseilbahnen, die sog. „fliegenden Wiegen“ für die Beförderung von Baumaterialien, Munition und Soldaten aus einem Teil der Festung in einen anderen. Es existierte ehemals noch ein interessantes strategisches Objekt. Man nannte es „künstlicher Tsunami“. Dieser sollte die Stadt in dem Fall verteidigen, wenn der feindliche Überfall von der Seite des Flusses bedrohte. Es geht hier um zwei Abdämmungen/Dämme: eine war im Bereich, wo sich heute „Hydropark“ befindet und die zweite – unter dem „Kahlen Berg“ im Bereich „Wydubitschy“, wo der Fluss Lybid und Dnepr zusammenfließen. Die beiden Abdämmungen enthalten zwei große Baugruben, welche innerhalb weniger Stunden mit Wasser angefüllt wurden, um es auf die feindliche Flotte abzulassen und diese durch mächtige Wellen fortzuschwemmen. Diese Objekte sind leider nicht erhalten außer Zeichnungen und Archivunterlagen. Sie werden in unserem Museum aufbewahrt und erweitern die Geschichte unserer Festung.
– Gibt es in der Welt etwas der Kiewer Festung ähnlich?
– Wissen Sie, eine Zeit veranstaltete ich ein Jahr hindurch die Führungen auf dem Gelände der Festung für die Beamten der Stadtverwaltung, damit sie mit eigenen Augen sehen, was für die Restaurierung finanziert wird. Anschließend waren alle vom Gesehenen soweit überrascht, dass sie einstimmig behaupteten: wozu irgendwohin zu fahren, wenn wir daheim so einen Reichtum haben! Ich bin damit einverstanden, doch ist es zu wenig darüber nur zu reden. Die Anlage muss zuerst in Ordnung gebracht werden und erst kriegt unsere Stadt ein echt kolossales Denkmal der Geschichte.
– Warum wurde darüber bislang nicht diskutiert bzw. informiert?
– Eine Zeitlang waren fast alle Dokumente geheim gehalten in verschiedenen Archiven aufbewahrt worden. Auch heute ist über Kiewer Festung gar nicht alles bekannt. Einige Zeichnungen sowie Unterlagen von strategischen Objekten, die z.B., auf dem linken Dnepr-Ufer existierten, fand ich sogar außerhalb der Ukraine. Ich hoffe sehr, dass uns noch vieles bevor steht, denn wir eine phänomenale Festung haben, welcher keine weltweit ebenbürtig ist. Wissen Sie, was uns doch fehlt? Stolz! Solchen, wie z.B., Polen bzw. Russen haben. Stolz über eigene Nation, Geschichte. Wir, die Ukrainer sind ein großes Volk, doch gewohnt sind, uns für geringfügig zu halten... Deshalb sind manchmal der Größe unserer historischen Denkmäler nicht bewusst…
– Wieviel Zeit benötigte die Errichtung solcher mächtigen Fortifikationsanlagen?
- Die Geschichte der Fortifikationen auf dem Territorium Kiews geht auf die uralten Zeiten von Tripolje-Kultur (V-III. Jahrtausende vor Chr.) zurück, wovon in unserem Museum berichtet wird. In den Zeiten der Kiewer Rus hatte Kiew schon drei Festungen: Altkiewer, in der Unterstadt Podol und Kiewer-Petscherskaja. Die letzte bleibt seit dem XIX. Jahrhundert die einzige Festung Kiews, obwohl mit deren Errichtung schon im IX. Jahrhundert durch den Bau des Pfahlzauns und der Erdwälle ringsum Höhlenkloster begonnen worden war. Späterhin hatten die Kiewer den Pfahlzaun durch robuste Steinmauer ersetzt, die 1240 von Horden des Batu Khans zerstört worden war. Deren Haupttor ist bis heute erhalten – es geht hier um den Haupteingang des Höhlenklosters, der mit der alten Dreifaltigkeitstorkirche gekrönt ist.
Ende XVII. Jahrhunderts ließ der Kosakenhetman Ivan Samojlovitsch um das Kloster eine rechteckige holzerdige Festung errichten und vereinte alle drei oben erwähnten Befestigungen durch starken einen Wall (Retranchement), der sich vom Petschersk-Stadtviertel bis zum Goldenen Tor zog. Schon damals erreichte die Fläche von Kiewer Festung ca. 10 km². Etwas später befassten sich mit dem Ausbau der Festung Hetman Ivan Mazepa und der Imperator Peter I. Nach dem Erlass des letzten war die Petschersk-Zitadelle errichtet worden. Die Bauarbeiten dauerten im Grunde genommen das ganze XVIII. Jahrhundert hindurch und im Jahre 1830 wurde ein neuer Plan der wesentlichen Erweiterung von Kiewer Festung genehmigt. Dieser verwirklichte sich innerhalb des nachfolgenden Jahrhunderts. So hab ich ganz kurz die Geschichte der Entstehung unserer Festung gefasst.
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Kanonen auf dem Museumsgelände
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– Nicht jeder Besucher kann auf einmal dieses riesige Territorium umgehen, um alle Fortifikationen sehen zu können...
– Die Wiedergeburt von Kiewer Festung begann 1995 dank Anstrengungen der Museumsmitarbeiter. Große Hilfe dabei leistete das Verteidigungsministerium der Ukraine. Die umfangreichsten Restaurationsarbeiten erfolgten auf dem Territorium der Hospitalbefestigung. Vor allem wurden die riesigen Erdbefestigungen, Steintürme und Caponiers in Ordnung gebracht. All dies sind die heute die Besichtigungsobjekte. Jetzt haben wir zwei Museen, deren Expositionen erzählen und veranschaulichen die Geschichte der Inlands- und Kiewer Fortifikationskunst seit den Zeiten der Tripolje-Kultur bis Gegenwart.
Einzige Festungswerke sind untrennbar mit der Geschichte des Befreiungs- und Revolutionskampfes verbunden. Hier sind die Organisatoren und Teilnehmer der sog. Gaydamakie-Bewegung, Gefangenen, geflüchtete Leibeigenen und etwas später die Dekabristen gefangen gehalten. Es war eine Art politisches Gefängnis, das im Volksmunde „Kiewer Schlüsselberg“ genannt wurde. Die Exposition des Museums vertritt die größte in der Ukraine Kollektion der militär-historischen Miniatur. Es gibt hier eine Reihe von interessanten Dokumenten und Gegenständen, die mit der Geschichte der Festung und Militär zu tun haben: Auszeichnungen, Waffen, Uniformen, sogar die persönlichen Sachen der Gefangenen und Kerkerkutsche, mit welcher die zum Tode verurteilten Gefangenen aus dem Gefängnis ins Fort „Kahler Berg“ zur Hinrichtung gebracht worden waren.
– Diese Kerkerkutsche soll den Museumsbesuchern bestimmt als ein besonderes Exponat erscheinen, nicht wahr?
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– Es wurde erzählt, dass die Kiewer sehr befürchteten diese Kutsche treffen, als diese am Sonnenuntergang oder in aller Frühe die Kiewer Straßen unterwegs aus „Kosoj (schräg) Caponier“ zum „Kahler Berg“ befuhr. Diese Kutsche ist im Auftrag der Zarenregierung 1903 gebaut worden und kostete für damalige Verhältnisse sehr teuer – 10.000 Rubel. Laut Archiven sollte sie im Zeitraum 1905-1916 über hundert Gefangenen zur Hinrichtung abtransportiert haben.
Es wird behauptet, wenn ein bestimmter Gegenstand oder ein Bauwerk/Gebäude in der Zeit seines Bestehens viel gutes oder schlimmes „gesehen“ hätte, sollte es dadurch mit entsprechender Energetik gesättigt werden. Was Ähnliches geschah vermutlich auch mit der schwarzen Kerkerkutsche. Wenn sie heute als Museumsgegenstand betrachtet wird, einflößt sie doch bis heute große Angst ein. Deshalb vermeiden einige Besucher diese Kutsche zu sehen.
Auch nicht jeder kann in aller Ruhe am Karzer vorbeigehen, der nach dem Erlass des letzten Kommandanten der Festung Herrn Meder gebaut wurde. Einkerkerung im Karzer kennzeichnete sich durch eine Besonderheit: der Häftling konnte hier weder sitzen, noch liegen, nur im Stehen die Strafzeit verbringen: der Boden/Diele wurde mit Wasser überschwemmt. Die Gefangenen wurden einmal täglich mit Brot und Wasser genährt. Das Licht kam in den Karzer durch ein kleines Fensterchen, das sehr hoch angebracht war. Nach Ironie des Schicksals war eigentlich der letzte Häftling des Karzers dessen „Erfinder“ Herr Meder, der hier 1918 verstarb.
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Kerkerzelle für politische Häftlinge
Kerkerzelle für polnische Offiziere
– Und wie sieht es mit der Mystik aus? Ob in den alten Caponiers und geheimnisvollen Tunnel die möglichen Gespenster hausen?
– Die Festung, sondern genau zu sagen, deren wiederhergestellter Teil ähnelt denn nicht dem Ort, wo die angeblichen Gespenster zu Hause sein könnten. Nach der Restauration ist hier sonnig und hell. Es fällt sich schwer vorzustellen, dass sogar in einem der dunkelsten Festungswerke einst jemand der „Unsichtbare“ zu hause wäre. Man sagt, dass die Gespenster an den Ort gebunden sein sollten, wo deren körperliche „Umhüllung“ bestimmten Leiden unterzogen worden oder umgekommen wäre. Es ist eigentlich bekannt, dass im „Kosoj Caponier“ die Leute nicht gefoltert und nicht hingerichtet wurden. Ist doch bekannt, dass einige Arrestanten versuchten Selbstmord zu begehen. Die Archivunterlagen bezeugen eigentlich, dass jegliche Versuche vergeblich waren.
Ich muss trotzdem gestehen, dass ein mystischer Fall doch in den Sinn kommt. Eine leidende Seele wanderte immerhin durch hiesige Korridore. Wem gehörte sie – weiß niemand. Während der Restaurationsarbeiten haben die Arbeiter im Boden eines der zahlreichen Räumen ein ungewöhnliches Aufhäufen von Ziegel entdeckt. Als dieses zerlegt wurde, stellte es sich heraus, dass hier eine Blende des Brunnens ist, der ins Verlies führt. Die Öffnung wurde erneut zugemacht und seitdem sollte im Turm ein Gespenst bzw. Erscheinung (nach Aussagen) zum Vorschein kommen… Ich persönlich habe es freilich nicht gesehen. Ein Offizier und noch einige Augenzeugen erzählten mir doch, dass sie mit eigenen Augen eine seltsame Erscheinung beobachtet hätten: als ob eine halbdurchsichtige Gestalt durch den Korridor „vorüber geschwebt“ und in einem Zimmer verschwand wäre. Man wollte dieser „Erscheinung“ nachjagen, doch der Hund, welcher angebliches Gespenst zuvor anbellte, fang an boshaft zu knurren und bellen und ließ dadurch die Leute über die Schwelle des Zimmers nicht.
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Verliese der Festung bewahren noch viele Geheimnisse
Die Zellen von „Kosoj Caponier“ wurden in der Sowjetzeit als ein Lager benutzt
Da fiel mir noch ein merkwürdiger Fall ein. Früher während der Sowjetzeit wurden die Zellen von „Kosoj Caponier“ als Lager für verschiedene Sachen sowie Abfälle benutzt… Sieben Museumsmitarbeiter wurden einst beauftragt einen Müllhaufen aufzuräumen. Unter ihnen waren zwei ehemalige Kriegsteilnehmer in Afghanistan. Diese kamen bei mir in kürze hastig vorbei und waren recht aufgeregt: sie hätten seltsame Schläge gehört, als ob jemand mit dem Hammer geschlagen hätte und einige einem Stöhnen ähnlichen Laute dabei zu hören wären…. Ich habe ihnen geglaubt, weil die beiden zu viel Schrecke und Tod in ihrem Leben gesehen haben... Ich habe zu uns einen Priester eingeladen, damit er „Kosoj Caponier“ weiht. Nach dem Weihen hörten die seltsamen Laute auf.
| Exposition des Museums |
– Ob solche unheimliche Geschichten die Besucher nicht abschrecken?
– Unser Museum wird sehr gut besucht: jährlich kommen zu uns ca. 100.000 Gäste. Darunter sind auch ziemlich viel Ausländer. Die schon fast 10 Jahrhunderte alte historische Sehenswürdigkeit ruft ein großes Interesse hervor. Im Ausland weiß man eigentlich recht viel über Kiewer Festung und schreibt: dies ist das Erbe von ganz Europa und Welt. Ich sowie meine Mitarbeiter werden oft zu verschiedenen internationalen Veranstaltungen eingeladen. Einmal nach der Internationalen Konferenz in Magdeburg, die den Fortifikationsanlagen in Europa gewidmet war, besuchte uns einer der Konferenzteilnehmer – 84-jähriger Rentner aus West-Deutschland. Er hatte Vorliebe für Geschichte der Fortifikationen und kam extra nach Kiew, um unsere Kiewer Festung zu sehen. Er war erschüttert und fasziniert vom Gesehenen und schenkte unserem Museum den Unterstützungsbetrag von 10.000 Euro. Diese Tatsache zeugt davon, dass die Leute im Westen verstehen die Denkmäler solcher Art zu schätzen und eifrig zu schützen. Und nicht zu vernachlässigen und zerstören, wie oft bei vorkommt. Einer der Ärger ist: die heutige Macht lässt die sog. Elite-Hochwohnhäuser direkt auf dem Territorium der Festung bauen...
Wissen Sie, man wirft mir manchmal vor: ob es sich lohnt wegen irgendwelcher Festung, die nach dem Geheiß des russischen Zaren gebaut war, so viel Sorgen zu machen und so nah zu Herzen zu nehmen? Mir ist doch absolut egal nach wessen Erlass sie errichtet wurde. Anderes ist wichtig: wenn wir, Ukrainer das Glück haben über so ein hervorragendes historisches Militärdenkmal zu verfügen, da muss man darauf stolz sein, weil was ähnliches in der ganzen Welt nicht gibt!
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