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Miniaturen aus Radziwills Chronik,voraussichtlich XIII Jh.
 
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Miniaturen aus Radziwills Chronik,voraussichtlich XIII Jh.
Mittwoch, 05 Oktober 2022

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Artikel >  «Schlichtes Häuschen“ des Zucker-Managers

 

 

Eingang des Hauses kennzeichnet sich durch schöne  Stuckverzierung  und ist tatsächlich einem kleinen Palast ähnlich. Foto  1950-er Jahre 

 

 Alexander  MIKHAILIK, Journalist.

Im Jahre 1912 ließ Herr Michail Schestakov - der Geschäftsführer der Zuckerfabriken des Zuckermagnaten Fjodor Tereschtschenko – für sich eine Stadtvilla bauen, in der einst Josip Broz Tito (Staatspräsident Jugoslawiens 1953-80) empfangen worden war und der letzte Sekretär der kommunistischen Partei der Ukraine Vladimir Schtscherbitsky arbeitete. 

Prächtig verzierte Villa mit gelb angestrichener Fassade am Anfang der Scholkowitschnaja-Str. verliert sich beinahe zwischen den Bauwerken  in der nahen Nachbarschaft wie sog. „Schokoladenhaus“, „mittelalterlichem Schloss“ an der Ecke der Lipski- Gasse und  vielstöckiger Häuser der „Sowjetzeit“. Dieses schöne Baumeisterwerk ließ eigentlich für sich kein Kaufmann oder ein Adlige, sondern  ein einfacher Verwalter bzw. Geschäftsführer bauen. Heute würde man ihn Manager oder noch genauer zu sagen Top-Manager nennen. 

 Der Auftraggeber für den Bau der Stadtvilla  in der Scholkowitschnaja-Str. 14 war eine bekannte und angesehene Person damals – Michail Schestakow (1856-1926), Chef der Südrussischen Gesellschaft  für Ackerbau – und Landwirtschaftsentwicklung, Mitglied der Bodenkommission von Kiewer Land- und Bodenbank und geschäftsführender Direktor der Zuckerfabriken von Fjodor Tereschtschenko. Außerdem war er auch Redakteur der Zeitschrift „Wirtschaft“ und Ehrenkurator des Kiewer Gymnasiums-Nr.2. 

 1912 - eines der  letzten ruhigen Jahre vor dem Ersten Weltkrieg und der nachfolgenden Revolution schritt voran: Kiew wuchs nach oben, die Autos rasten durch die Straßen, klirrten die Straßenbahnwagen und um ein Privathaus bzw.  eine Villa im Stadtviertel Petschersk bauen zu können, war es schon nicht obligatorisch ein Kaufmann, Fabrikbesitzer zu sein oder  Adelstitel zu haben. 

Natalia Tereschtschenko-Uvarova mit dem Ehemann

 Zu jener Zeit hatte schon Herr Schestakov ein altes Gehöft der polnischen Grafen Chechel mit einem prächtigen Palast, Park und Teich im Dorf Samtschiki (heutiges Chmeknizki-Gebiet) in seinem Besitz. Dieser Palast beeinflusste auch die Wahl des Baustils für die zukünftige Stadtvilla – das nach dem Projekt des Architekten Robert Meltzer errichtete Bauwerk ist tatsächlich dem kleinen Palast im Ampire-Renaissance- Stil  sehr ähnlich. Es gibt hier einen klassizistischen Portikus vor dem Eingang, die Säulen und reiche Stuckverzierung über den Eingang und Fenstern. Das Eingangsportal ist mit einer Kuppel gekrönt und  an den beiden Seiten des Dachs sind die dekorativen Vasen aufgestellt. Von der Straßenseite aus ist das Bauwerk durch eine nicht heue Umzäunung abgetrennt und im Hof gibt es einen schönen Park mit Fontäne – also, ein „echtes Landgut eines Gutsherrn“ im Stadtzentrum! 

 Michail Schestakov besaß diese Stadtvilla nur 4 Jahre – schon 1916 hatte er das Haus zu verkaufen. Als nicht vorsorgliche Käuferin (ein Jahr später begann die Revolution und alles war hin) erwies sich noch eine bekannte Einwohnerin des Stadtviertels „Lypki“ – Tochter von Fjodor Tereschtschenko - Natalia Uvarova. Herr Schestakov übersiedelte sich in die Malopodwalnaja-Str. und beschäftigte sich während des Ersten Weltkrieges mit Militärsanitätszügen. In ungestümen 1917-1920 Jahren ist Schestakov in Kiew geblieben und war sogar als stellvertretender Vorsitzender von „Ukrsachartrest“ (Ukrzuckerbetrieb) tätig – kein Wunder, denn ein qualifizierter Spezialist bei jeder Macht benötigt wird. 

1956 fuhr an die Villa  der  jugoslawische Präsident Josip Broz Tito mit einem  prächtigen Kabriolett der Marke  „ ЗИС

 

Äußerlich hatte sich das Gebäude fast nicht geändert, doch verliert sich zwischen den  vielstöckigen „Nachbarn“

 

 Sowie auf ein gutes Haus wird keine Macht verzichten. Die „Sowjets“ hatten das ehemalige „Manager- Haus“ in eine „Nobelresidenz“ für „Top-Managers“ des staatlichen Niveaus verwandelt. Und zwar für solche namhaften Personen, wie:

Nikita Chruschtschow. 1938 sofort nach der Ernennung zum Chefsekretär des ZK der KPdSU году, besaß Nikita Sergejewitsch Chruschtschow eine Hälfte des Hauses und die zweite Hälfte hatte der Genosse Michail Gretschucha – Vorsitzende des Präsidiums des Obersten Sowjets der USSR in Besitz genommen.  

Josip Broz Tito. Der persönliche Feind von Stalin, einer der letzten Diktatoren Europas, Führer von Jugoslawien „meldete“ sich gewiss im Haus auf der Scholkowitschnaja-Str. nicht an, wurde eigentlich 1956 während seiner Visite in die UdSSR gerade hier untergebracht. In jener Zeit war dieses Gebäude schon für die Unterbringung von ausländischen kommunistischen Leitern vorgesehen.

Vladimir Shcherbitsky. In 1970-ern befand sich gerade hier das Kabinett des damaligen ersten Sekretärs des ZK KPdU.

Heute „hausen“ im „Manager-Haus“ wiederum die Beamten des höchsten Ranges – hier sind die Ämter der Administration des Präsidenten untergebracht. Und im schäbigen Haus des Instituts für Soziologie in der Nachbarschaft befindet sich das Sprechzimmer der Administration des Präsidenten, wo  die Bürger  um die Aufnahme lediglich innerhalb von 3 Stunden in der Woche ersuchen können. Und die prächtige Nachbarvilla ist übrigens für die Touristen und einfaches Publikum unzugänglich, als ob  dadurch angedeutet wird, dass man sich auf die einfachen Gäste nicht besonders freut und über die Schwelle nicht lassen würde.  

Fotos von Lada Bondarenko.

Газета по-киевски.

Dezember 2010.