Adresse: 04071 Ukraine, Kiew, Podil, Schekavitskaja-Str. 30/39, of. 4 E-mail: info@primetour.uaPhone +38 (044) 207-12-55Lizenz von Tour Operator-Nr.: АГ №580812Sitemap

Miniaturen aus Radziwills Chronik,voraussichtlich XIII Jh.
 
+38 (044) 207-12-55
+38 (096) 940-00-00
+38 (099) 550-00-00

Мы поддерживаем
реформы в Украине
и работаем
исключительно через
расчетный счет!
Miniaturen aus Radziwills Chronik,voraussichtlich XIII Jh.
Samstag, 22 Januar 2022

Menu

Artikel > Geister und Gespenster des Kiewer Opernhauses

 

 Inessa BLUM, Journalistin.
Extra für «Prime Excursion Bureau».

 Ob der Geist des berühmten Reformatoren des Russischen Imperiums, dessen namhaften Ministerpräsidenten Pjotr Stolypin in Couloirs der Kiewer Staatsoper schwebt? Wer weiß? Über Poltergeist wird es hier nicht geklagt. Doch der erschallte Schuss am 1.September 1911 im Parterre des Opernhauses hatte die Geschichte für immer geändert. Das Theater selbst wurde nicht nur zu einer Bühne, wo Drama der Kunst gespielt wird, sondern auch zum Ort der menschlichen Tragödie.

Das heutige Gebäude des Theaters entstand nachdem als das ursprüngliche 1896 niedergebrannt war.

 

Das im September geborene

September ist ein markanter Monat in der Geschichte des Kiewer Opern- und Ballett-Theaters. Am 15. September 1901, fast 110 Jahre vorher ist es feierlich eröffnet worden. Der Ministerpräsident des russischen Imperiums P. Stolypin wurde am 1. September 1911 tödlich verwundet. Im September 1941 wurden aus den Kellern des Theaters die Sprengladungen durch die Besatzer herausgeholt, welche „sorgsam“ von den NKWD-Leuten (Volkskommissariat der inneren Angelegenheiten) zurückgelassen wurden. (Nach NKWD Veranlassung wurde auch die Hauptstraße Kreschtschatik vor dem Abzug er sowjetischen Armee durch Sprengungen total zerstört.

Das heutige Gebäude des Theaters entstand nachdem als das ursprüngliche 1896 niedergebrannt war. Es ist übrigens die typische Angelegenheit aller Theater, welche durch die Dekorationen, Kostüme, Vorhänge, Holzausstattung und andere Zubehöre „gestopft“ sind... Nach dem Brand erklärten die Kiewer einen Weltwettbewerb für das beste Projekt des neuen Theaters. Kiew erlebte damals eine Spitzeperiode   des nie gesehenen Baubooms, welcher ein Jahrzehnt  zuvor begann und bis zu Ereignissen des Oktoberputsches in St. Petersbug dauerte. Im Weltwettbewerb hatte nicht irgendwelcher ausländischer „Maitre“, sondern ein Petersburger Architekt gewonnen, der eigentlich den deutschen Namen Schröter hatte. Nach dem Projekt des Architekten ist  das Halboval des Gebäudes durch sieben Bogen/Gewölben aufgeteilt, was die sieben musikalischen Tonleiter symbolisieren sollte. Zwischen den Gewölben sind die Masken angebracht, welche die Musen der Melpomena- Tragödie und Talia-Komödie symbolisieren. Die geflügelten Genien über dem Zentraleingang des Theaters – die gutherzigen Geister –Beschützer  der Opernkunst und des Theaters selbst.  Seit jener Zeit hat das Theater tatsächlich ein glückliches Schicksal: über sieben Jahrzehnte steht es unversehrt, im Zweiten Weltkrieg ist heil geblieben, erlebte keine Brände mehr.

Authentizität der Oper reizt und lockt an. Die Theater haben überhaupt die Eigenschaft die Zeit in einem geschlossenen Raum zu konzentrieren, als ob sie in den Wänden von Make-up Zimmern, Übergängen, Enfiladen, Garderobenräumen etc. gelötet sei. In solches architektonische Meisterwerk geratend, begreift man sofort, welchen großen Wert unsere Vorfahren auf das Theater gelegt hatten. In der Zeit, als noch keine TV und Internet existierten, waren das Theater und das Buch die Grundlage der Ausbildung, der Vergnügungen und sogar der bürgerlichen Propaganda. Die belgische Revolution von 1830 entstand dadurch, dass die Leute durch das Schauspiel „Eine Stumme aus Portici“ inspiriert wurden, welches den Ereignissen des Aufstandes im Jahre 1647 in Neapel gewidmet war. Kiewer Oper hatte zu revolutionären Unruhen niemals provozieren, rief doch andere Emotionen, wie Genuss, ästhetische Katharsis hervor.

Das Theater ist unterdessen unter gar keinen unaufhaltsamen Lobpreisungen geboren worden. Unter den Fanfaren, die anlässlich dessen erschallten, dass Kiew endlich ein  vortreffliches Opernhaus erhielt, waren auch die Stimmen von Kritikern zu hören. Die berühmte Zeitung „Kiewljanin (Kiewer)“ schrieb: „Das Aussehen des Theaters ist äußerst reizlos: unschöner Aufbau sitzt inmitten des Platzes als eine große plumpe Schildkröte. Den Eindruck verdirbt noch dazu die unansehnliche Ausstattung  des Gebäudes. Dekor des Zuschauersaals kennzeichnet sich durch Schlichtheit und Armut...»

Der ehrwürdige Kritiker hatte bestimmt mit etwas zu vergleichen. Wahrscheinlich waren die Wiener-, Pariser-und Odessa –Opern viel mehr „ausgeschmückt“ und  mit Gold „gesättigt“. Doch in fernen 1860-ern wurde auch die berühmte Wiener Oper -  Ahne von  Pléyadas vieler Opernhäuser weltweit – als „eine ungefüge Kiste“  in der Presse in Verruf gebracht. Selbst der österreichische Imperator hatte das Projekt ausgeschimpft.  Als Ergebnis hierfür verstarb einer der Architekten vom Infarkt und ein anderer beging Selbstmord.  

In unserem Fall verstarb der Architekt Schröter im Alter von 62 Jahren am Vorabend (vor einigen Monaten ) der feierlichen Eröffnung des Theaters. Der Tod des Architekten war keineswegs mit der Kritik  seiner Schöpfung verbunden: denn 1901 rief ähnlicher Baustil so heftige Emotionen, wie 40 Jahre zuvor nicht mehr hervor. Auch der damalige Imperator Nikolai II hatte seine eigene Meinung zum Kiewer Opernhaus im Gegensatz zum Imperatoren Franz Josef nicht geäußert. Mit dem Recht können wir sagen, dass dieses Projekt „Schwanengesang“ des angesehenen Architekten war.  Sein Meisterwerk war tatsächlich hervorragend. Der Zuschauersaal war für 1,5 Tausend Plätze vorgesehen und verfügte im damaligen Russischen Imperium über die größte Opernbühne: Breite – 34,3 m, Tiefe – 17,2 m, Höhe – 22,7 m. Den Bogen des Haupteinganges krönte ursprünglich Wappen von Kiew, welches mit der Zeit durch die Lyra (Symbol der Musikkunst) tragenden Greifen ablöst wurde. Die Fassade des Gebäudes verzierten die Büsten von Schevtschenko, Glinka, Serov, welche die Schauspieler des Petersburger Mariinski-Theaters der Stadt Kiew geschenkt hatten.

Denkmal für Pjotr Stolipin auf dem Duma-Platz (heute Platz der Unabhängigkeit)

Abbau des Denkmals für P. Stolipin im März 1917

Moment der Tragödie

Pjotr Stolipin

Am 1. September 1911 wurde auf der Bühne der Kiewer Oper „Die Sage über den Zaren Saltan“ aufgeführt.  Dieser Veranstaltung wohnten der Imperator Nikolai II mit seiner Töchtern bei, sowie repräsentative Delegation des Ministerkabinetts mit dem Ministerpräsidenten Stolipin an der Spitze. Während der zweiten Pause, als Premierminister an der Schranke des Orchestergrabens mit dem Hofminister Baron Fredericks und Land-Tycoon Grafen Potocki ein Gespräch führte, näherte ihm unerwartet ein hagerer junger Herr und gab zwei Schüsse aus Browning ab. Er wusste wohin zu schießen. Doch die erste Kugel traf den Arm, mit dem Stolipin versuchte sich instinktiv zu schützen und die zweite hatte  Leber getroffen. Damals war die Verwundung solcher Art tödlich (wie auch im Fall mit dem hervorragenden russischen Dichter Alexander Puschkin 70 Jahre vorher); die Ärzte vermochten nicht die zweite Person des Imperiums zu retten.

Stolipin verstarb nicht sofort nur deshalb, weil die Kugel vom „Kreuz des St. Wladimir“ an der Uniform des Premierministers abprallte. Nach der Schußverletzung ließ er sich schwerfällig in den Sessel nieder und flüsterte ruhig: „Ich bin glücklich für Zaren zu sterben…“. Für denselben Zaren, der schon längst den populären und harten Wirtschaftler/Manager hasste, welcher aufrichtig versuchte den Lauf der Geschichte seiner Großmacht zu ändern.  Bis heute wird die Streitfrage von Historikern diskutiert, ob in dieser prickelnden Angelegenheit die zaristische Geheimpolizei nicht mitgewirkt hätte… Ausgehend lediglich  aus einer Tatsache, dass der Täter den Zugang zur exklusiven Veranstaltung im Theater irgendwie erhalten konnte…

Während der Vernehmungen sagte und erzählte der Täter nichts.  Er war der Tatsache bewusst, dass sein Name in die Geschichte eingegangen sei. Nur das wollte   Sohn eines der reichsten Magnaten und Immobilienbesitzer, der sich mit den Sozialdemokraten einließ und nachher zum Killer wurde.

Hinaustragen der Leiche von Stolipin aus dem Krankenhaus der Brüder Makovskies

Stolipins Grabmal auf dem Gelände des Höhlenklosters

Stolipin verschied in 10 Tagen nach dem Attentat in der Klinik von Brüdern Makovskies. Der Mörder Bagrow ist auf dem Kahlen Berg bei Tagesanbruch am 12. September erhängt worden. Er wurde zum „bekanntesten“ unter hunderten namenlosen  Hingerichteten und heimlich Begrabenen im Erdinneren des höchst mystischen Berges Kiews.

Durch dieses traurige Ereignis verschaffte sich Kiewer Oper eine fatale Aura, welche die weitere positive schöpferische Entwicklung  unseres Theaters keineswegs  beeinflusst hatte. 

 Zeit der Wirren

1918 traf bekanntlich eine andere Epoche ein, die selbst vollkommen fatal war. Während des Ukrainischen Staates wurde die Kiewer Oper als Ukrainisches Drama- und Oper-Theater genannt. Im August 1918 wurden ins Ukrainische solche Opern übersetzt wie: , „Faust“, „La Traviata“, „Stiefelchen“, „Märchen von Hoffman“, „Boheme“, „Verkaufte Braut“, „Nixe“, „Ländliche Ehre“, „Jüdin“, „Madame Butterfly“.

Als im Jahre 1919 die Bolschewiken (Kommunisten) sich in Kiew ganz gründlich „niedergelassen“ hatten,  wurde das Theater zu Ehren eines der Idole von Sozialdemokratie Karl Liebknecht umbenannt. Den Namen des deutschen Revolutionärs trug unser Theater 20 Jahre lang. Es wechselte nur seinen Status: 1926 wurde es zur Kiewer staatlichen, akademischen Oper und 1934, als die Hauptstadt der Ukraine in Kiew  versetzt wurde, erhielt es die Bezeichnung Akademischer Theater für Oper und Ballett der USSR. Und erst 1939 wurde ihm anlässlich des 125-Jahrestages von Nationaldichter T. Schewtschenko sein Name verliehen.

In den Jahren des Zweiten Weltkrieges wurde die Theatertruppe in die Stadt Ufa und bald darauf Irkutsk evakuiert und erst 1944 kehrte sie in Kiew zurück. Doch auch während der Besetzung Kiews durch die deutschen Truppen blieb das Theater weiterhin in „Faveur“, denn die echten Arier hatten die hohe Kunst gern. Es wurde eine neue Theatertruppe gebildet. Nach dem Minenräumen von Theaterkellern fand am 27. November 1941 die Eröffnung des Theaters statt. Die Oper wurde als „Grosse Оper Кiew“ genannt. Für die neuen „Meister des Lebens“ wurden gewiss die Opern von Wagner  „Lohengrin“ und „Tannhäuser“  in der Sprache des Originals aufgeführt. Es wurden auch andere Stücke wie „The Queen of Spades“, „Natalka Poltawka“, „Carmen“, „Aida“ auf der Theaterbühne gespielt. Und am 20. Juni 1942 z.B., wurde das Ballett „Coppelia“ von Leo Delibes anlässlich des Eintreffens in Kiew von Reichsminister der östlichen Territorien Rosenberg und Reichskommissar der Ukraine Erich Koch gezeigt.

Gleichzeitig wurde das Theater in die Untergrundtätigkeit herangezogen: die führende Solistin Raisa Okipnaja erwies sich als Mitglied der kommunistischen Partei der Gruppe von Ivan Kudrja. Die beiden wurden verhaftet und zu Tode gefoltert im Herbst 1942.

 

 Ruhige  Reifezeit

Giuseppe Verdis „La Traviata“

 

In den Nachkriegszeitjahren wurde das Repertoire des Theaters durch die Werke von sowjetischen Komponisten erweitert.

Zu verschiedenen Zeiten waren hier die berühmten Dirigenten, wie Nathan Rachlin, Konstantin Simeonow, Stepan Turtschak, die Vokalisten Boris Gmirja, Arnold Azrikan, Zoya Gaidai, Maria Litwinenko-Wohlgemuth, Oksana Petrusenko, Larisa Rudenko tätig. Hier sang auch der berühmte russische Bass Fjodor Schaljapin.

Im Reitraum  1983-88 wurde eine Generalrekonstruktion des Gebäudes vorgenommen – zum ersten Mal in 80 Jahren. Die Restauratoren haben bedeutende Änderungen im Bereich hinter den Kulissen getroffen, was die Zahl von Probesälen sowie Make-up Zimmern erhöhte. Es entstand ein spezieller Chorsaal. Die Ausmaße der Bühne wurden bis 20 m in der Tiefe und 27 m in der Höhe erweitert. Die Gesamtfläche der Bühne macht heute 824 m² aus.

Die alte Orgel wurde durch eine neue des tschechischen Fabrikats der berühmten Firma „Rieger-Clos“  abgelöst. Auch der Orchestergraben unterzog  einer Umgestaltung und kann heute für 100 Musikanten die Plätze gewähren. Das Gebäude erhielt seinen ursprünglichen Anstrich von 1901.  

Kiewer Staatsoper ist immer für Sie offen

 

Von 1992 bis 2000 leitete die Ballett-Truppe der Nationaloper der Ukraine einer den bekanntesten ukrainischen Choreographen Anatoli Schekera (1935–2000). Mit seinem Namen sind die Errungenschaften des ukrainischen Balletts in den letzten Jahrzehnten des XX. Jahrhunderts verbunden. Außer klassischen Meisterwerken, wie „Schwanensee“ und „Nussknacker“ von P. Tschaikowsky, „Raymond“ von A. Glasunow,  „Coppelia“ von L. Delib erfreute er den Zuschauer mit vielen modernen Werken, wie „Lilie“ von K. Dankewitsch, „Spartacus“ von A. Chatschaturjan, „Olga“ von E. Stankowitsch, „Legende über die Liebe“ von A. Melikow. Er bereicherte das Ballett mit Polyphonie des Tanzes, symphonischer Entfaltung  der choreographischen Partitur. Seine Aufführung des Balletts „Romeo und Julia“ wird seit 1971 schon 30 Jahre hindurch mit Applaus empfangen. Dieses Schauspiel wurde in vielen Ländern gezeigt und ist mit der UNESCO- Medaille als die beste Interpretierung des Großen Komponisten Prokofjew ausgezeichnet worden.

Auch heute, ihren 110-jährigen Jahrestag begehend,  heißt Sie Kiewer Oper gerne willkommen!

Februar 2011.