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Der SwjatoschinerMarkt am Anfang des 20. Jahrhunderts, Kiew
 
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Der SwjatoschinerMarkt am Anfang des 20. Jahrhunderts, Kiew
Montag, 17 Januar 2022

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Artikel > Aus der Geschichte der Mezhigorskaja-Straße

 Michail Kalnizky, Kenner des Kiewer Altertums,
extra für „Prime Excursion Bureau“

Eine der Straßen, an deren Kreuzung sich „Prime Excursion Bureau“ befindet, heißt Mezhigorskaja. Dieser Name stammt von der Ortschaft Mezhigorie (was so gut, wie „zwischen Bergen“ bedeutet), welche vor Kiew liegt, und in deren Richtung diese Straße führt.

Zurzeit wird von Mezhigorie hauptsächlich als über die Residenz des neuen Präsidenten gesprochen, welche einen skandalösen Ruf wegen der Polemik hervorgerufen hat, zugrunde deren folgender Streitpunkt liegt – wem soll diese ehemalige „staatliche Datsche“ mit dem Gelände von ca. 140 ha gehören (?). Obwohl für unsere Vorfahren hatte der Begriff „Mezhigorie“  ganz andere Bedeutung.

Hier, in ca. 18-20 Werst Dnepraufwärts befand sich ein altes Kloster. Als sein Vorgänger galt eine Einsiedelei vor der fürstlichen Stadt Wischgorod mit einer Erlöser-Kirche aus XII. Jahrhundert. Nach dem Überfall von Mongolen 1240 ist diese zerstört worden. Doch, mit der Zeit wurde hier das Mönchsleben wiederhergestellt  und die Mönche errichteten eine neue Kirche über dem Dnepr. Dem Mezhigorie-Kloster gegenüber waren die Zaporozhjer - Kosaken nicht gleichgültig: sie spendeten ständig großzügig zum Wohle des Klosters und fanden hier Ruhe nach ihren Feldzügen. Hier wurden immer die Priester für Kosakenzentrum „Zaporozhjer Siech“ ernannt. Dieses Kloster nannte man oft „Zaporozjher- Lawra“.

Die Imperatorin Katherina II hatte jedoch durch die Abschaffung von Zaporozhjer Siech auch das Kloster  aufgelöst. Auf dessen Territorium entstand eine Fayencefabrik. Dennoch wurde es für die Wiederherstellung des Klosters im Volke appelliert.  Dadurch ist der ganze Klosterkomplex samt erhalten gebliebenen Bauwerken 1886 dem Troizky-Ioninsky- (Dreieinigkeits-)-Kloster untergeordnet worden, und 1894  wurde es ins Nonnen-Kloster umgestaltet und der Obhut von Kiewer Pokrovsky-Kloster (Schutz-und Fürbitte) übergeben.    

Kloster in Mezhigorie. Postkarte Anfang des ХХ. Jhrs Erlöser-Kirche im Kloster. Zeichnung von T.Schevtschenko

 Die größten Bauwerke des Mezhigorie-Klosters waren die Erlöser- und Verklärungs-Kathedrale der zweiten Hälfte des XVII. Jahrhunderts und der Glockenturm, der nach dem Geheiß des letzten  Atamans der „Zaporozhjer Siech“ Pjotr Kalnischevsky 1772-1774 errichtet wurde. Es sind übrigens die Zeichnungen mit Darstellung dieser Heiligtümer erhalten, die unser Nationaldichter und Maler Taras Schevtschenko vor Ort 1843 mit Bleistift gemalt hatte.

In der Sowjetzeit wurde das Kloster aufgelöst und auf dessen Gelände befand sich eine Lehranstalt, wo die Spezialisten in Herstellung der künstlerischen Keramik ausgebildet wurden.  Die Historiker und Spezialisten halten den Mezhigorie- Klosterkomplex für das kulturelle und historische Denkmal und beabsichtigten diesen als Denkmalschutzobjekt zu erklären. Doch… nachdem im Jahre 1934 die Hauptstadt der USSR (Ukrainischen Sowjetische Sozialistische Republik) aus Kharkov  in Kiew verlegt wurde, hatte die Leitung der Republik für diese malerische Ortschaft eine andere Bestimmung gefunden. Die Klosterbauten wurden entfernt und an deren Stelle baute man die Regierungsresidenz (sog. „Regierungsdatsche“). Seit jener Zeit gilt dieses historische Territorium viele Jahre hindurch für „security“ und unzugänglich für die Forscher und Historiker. Aufgrunde  des Fehlens von zuverlässigen Informationen gehen die Gerüchte um sowie die Diskussionen in Massenmedien, dass irgendwo in den Kellern des abgebauten Klosterkomplexes die legendäre Bibliothek des Großfürsten Jaroslav des Weisen versteckt sein sollte!    

Der Straßenname „Mezhigorskaja“ erschien auf der Stadtkarte im Jahre 1869. Vorher hieß diese Straße - die in  moderne Verkehrsader Mitte des vorigen Jahrhunderts umgebaut wurde – „Konstantinovskaja“ (Konstantin –Eigenname). Die heutige  „Konstantinovskaja“-Straße hieß damals „Kyrilovskaja“- Straße (Kyril – Eigenname). Doch ist bekanntlich, dass „Konstantinovskaja“-Straße heute Frunze-Straße ist (?) Das stimmt, aber früher hieß sie „Ploskaja/Flache“- Straße. Erst 1869 erhielten alle drei Straßen die mehr passenden Namen. Im entsprechenden Erlass wurde angegeben, dass „Konstantinovskaja“-Straße in  „Mezhigorskaja“ umbenannt wurde „… weil sie weit weg von der Kirche des Zaren Konstantin liegt und führt in bekannte Gegend Mezhigorie“.

 So wie die benachbarten Straßen Konstantinovskaja und Woloschskaja, überquerte auch die Mezhigorskaja-Straße in der Vergangenheit das Territorium von zwei Polizeistadtteilen – Podol und Ploskaja. Die Grenze zwischen diesen war die Linie, welche den Oberen Wall und den Unteren Wall trennte.  

Ein Territoriumsteil bis zum Oberen Wall war schon in der ersten Hälfte des XIX. Jahrhunderts mit kleineren Steinbauten bebaut. Seit jener Zeit ist an der Ecke der Choriva-Straße ein recht nettes zweistöckiges Haus-Nr. 7/16 im klassizistischen Stil erhalten).

 

Haus an der Kreuzung der Straßen Mezhigorskaja, 7 und Choriva. Bild aus dem Jahr 1910.

Haus an der Kreuzung der Straßen Mezhigorskaja, 7 und Choriva,  heutiges Aussehen

 Mehr älter ist eigentlich das berühmte „Kontrakthaus“ (Haus für Verträge), das teilweise auf dem gleichnamigen Kontraktplatz und auf der Mezhigorskaja-Straße, 1 liegt. Dieses historische Gebäude verdient doch eine separate Erzählung.

Die klassischen Kanons sollten die Bauherren bis zu Reformzeiten des Imperatoren Alexander II beibehalten. In 1860-er und sogar 1870-er Jahren wurden nicht große Ziegelhäuser gebaut, die als Muster des späten Klassizismus betrachtet werden können. Diesen war eigentlich die „Ergebenheit“ den antiken Bauelementen weniger eigen.

Haus auf der Mezhigorskaja-Str.,21 Haus auf der Mezhigorskaja-Str.,22

Faun auf dem Portal  des Hauses auf der Mezhigorskaja-Str., 10

Etwa näher zum Ende des XIX. Jahrhunderts machte allmählich die „niedrige“ Bebauung der Straße für die massiven 3-4-Etagemietshäuser den Platz frei. Die Neubauten  erhalten eine modische Ausgestaltung  im Geiste „Kiewer Renaissance“ mit dem „spitzfindigen“ Mauerwerk  und dem Überfluss von Formteilen. Vom Hausportal des Kaufmannes Eugenie Saltanov aus (Mezhigorskaja-Str., 10, Baujahr 1887) kuckt auf uns der eigenartige Faun mit Hörnern – verbreitete Gestalt der damaligen Zuneigung für Mythologie  und Skulpturkuriositäten.

Unter Autoren der Projekte von Neubauten auf der Mezhigorskaja-Straße sind die Namen der bekannten Kiewer Architekten zu treffen. So, z.B. der Architekt und Mitglied des Stadtamtes Nikolai Kazansky baute das Eckhaus für die Kauffrau  Lesja Rivlina an der Kreuzung der Mezhigorskaja-Str., 26 und Jaroslavskaja-Straße (ursprünglich hatte es 3 Etage, mit der Zeit sind noch 2 Stockwerke aufgesetzt worden) sowie das 4-Etage-Mietshaus von Herz Kutik auf  Mezhigorskaja-Str., 17.

Haus-Nr.: 26 an der Kreuzung der Straßen Mezhigorskaja und Jaroslavskajy

 Ein anderer bekannte Projektant Karl Schiemann nicht nur baute auf dieser Straße, sondern auch wohnte im Haus-Nr.: 5.

Die neue Bauwelle führte leider nicht nur zur Modernisierung des Aussehens der Straße, sondern auch zu unwiederbringlichen Verlusten. So, z.B. informierte die Presse 1902 über den Abriss des einmaligen Hauses auf der Ecke Mezhigorskaja, 9 und Choriva-Straßen. Dieses Gebäude war beinahe eines der ältesten Wohnhäuser in Podol, das aus dem XVII. Jahrhundert stammte. Seit jeher nannte die Kiewer dieses als „Haus von Artemicha“ nach dem Namen einer reichen Kiewerin, welche dieses Haus schon in 1770-er in Besitz hatte. Es ging das Gerede, dass sich  Frau Artemicha  durch übermäßige Knauserigkeit auszeichnete und ihre Hausangehörigen bedrängte, und als sie nach dem Schicksalswillen pleite ging, leistete ihr niemand jegliche Hilfe…

Doch für die Besitzer (Familie Gorelowy) dieses Hauses am Anfang des vorigen Jahrhunderts stellte diese bauliche Rarität  kein Interesse dar. Da dieses Haus ihr Privateigentum war, konnten sie damit, nach damaligen Gesetzen alles, was sie wollen machen. So verschwand das „Haus von Artemicha“. An dessen Stelle wuchs ein großes, mit dem Mauerwerk im „russischen“ Stil verziertes Mietshaus, das auch mit einem Ecktürmchen gekrönt war (nicht erhalten).   

„Haus von Artemicha“. Zeichnung anfangs  XIX.Jh. Neues Mietshaus Hauses auf der Ecke Mezhigorskaja, 9 und Choriva-Straßen. Foto anfangs  XX.Jh.

 Unter den Besitzern und Mietern der Häuser auf der Mezhigorskaja- Strasse gab es viel Vertreter der jüdischen Gemeinde. Die jüdische Bevölkerung ließen sich gern in der sog. Unterstadt Podol, die sich als Handels-und Handwerkszentrum Kiews kennzeichnete.

Haus auf Mezhigorskaja-Str., 3,  Ecke der Spasskaja-Str.

In der Nähe des Kontraktplatzes steht auf der Mezhigorskaja-Str., 3 (Ecke der Spasskaja-Str.) ein massives ehemaliges Mietshaus, das den Vertretern der bekannten in Kiew Familie Balabuch gehörte; ursprünglich war es zweistöckig, dann wurde zweimal aufgestockt und hat heute vier Etagen. Eine der Wohnungen im zweiten Stock wurde über hundert Jahre als jüdische Gebetstätte benutzt. Deren Veranstaltern wurden bestimmte Vorzugsrechte eingeräumt, denn es um ein Gebethaus für jüdische Gemeinde ging, deren Mitglieder im Russisch-Japanischen Krieg teilgenommen hatten.

 

Mit diesem Haus ist noch eine interessante Geschichte verbunden. In 1890-er wohnte hier und beschäftigte sich mit dem Schuhhandwerk der gewisse Jude Chaim (Jefim) Friedland. Als Handwerker hatte er Wohnrecht in Kiew. In seiner Werkstatt wurden die Oberleder für weitere Anfertigung von Schuhen zugeschnitten. Er verstand sich auf seinem Geschäft und erfüllte die Aufträge geschickt. Doch die neidischen Konkurrenten hatten der Polizei angezeigt, dass der  Schuhmacher  sein Handwerk nicht selbständig treibe, sondern die Lohnarbeit benutze. Der Polizeimeister hätte Friedland im Jahre 1897 aus Kiew beinahe ausgewiesen. Der zweite hatte an die Gouvernementsverwaltung  eine Klage eingereicht. Er behauptete, dass sein Gesundheitszustand leistet nicht selbstständig die Werkstücke anzufertigen und außerdem verpflichtet selbst die Gesetzgebung nicht, den Besitzer einer Werkstätte allein zu arbeiten. Wichtig ist nur, damit die Werkstätte deren offiziellen Zweckbestimmung entsprach. Er hatte absolutes Recht und die Order des Polizeimeisters wurde storniert. Chaim Friedland wohnte noch eine Zeit auf der Mezhigorskaja-Straße. Seine Frau hatte ihm zwei Söhne zur Welt gebracht – Michail (1898) und Boris (1900). Später hatte doch diese Familie unsere Stadt verlassen und siedelte sich in Belostok an, wo die die Kinder groß geworden sind und die Ausbildung kriegten. Die beiden wurden dann die Berühmtheiten: der ältere -  Journalist Michail Kolzow, der jüngere – Maler- Karikaturist Boris Efimow, der unlängst im Alter von 108 Jahren verstorben ist.  

Haus auf Mezhigorskaja-Str., 20, Ecke des Unteren Walls

 Einer der größten Mietsbaukomplexe, der von Kiewer Juden benutzt wurde, liegt unmittelbar an der Kreuzung der Mezhigorskaja-Str.,20 und des Unteren Walles. Er ist Anfang des XX. Jahrhunderts von Architekten Hippolyte Nikolajev und Ivan Hanf gebaut worden.  Seit 1908 waren die Besitzer von diesem Gehöft die Kaufleute-Juden Avigdor Schwarz und Benjamin Bokschitzky, welche das Monopol auf den Absatz des koscheren Fleisches in Kiew behielten.  Auf ihre Kosten wurde im tiefen Hof dieses Komplexes die jüdische Gebetstätte errichtet.  

Mehr frühere Beziehungen mit jüdischer  Gemeinde hat das zweistockiges Gebäude auf Mezhigorskaja-Str.,23, Ecke der Jaroslavskaja-Straße. Es wurde 1864 im spätklassizistischen Stil für damaligen Besitzer des Gehöftes, Professors des Priesterseminars Andrei Kotljarov gebaut.  Schon 1866 wurde dieses Haus für jüdische Gebetstätte vermietet. Sie blieb dort lange Zeit, man kann sagen, dass es das älteste in Kiew erhaltene Gebäude ist, wo lange Zeit hindurch die jüdischen religiösen Riten erfolgten. Bekanntlich ist, dass bis zu 1920-er war im Eckhaus die Gebetstätte der jüdischen Gemeinde der „Soldaten-Handwerker“ untergebracht. Doch im Jahre 1924 wurden diese Räumlichkeiten durch die Behörden für Wohnstätte beschlagnahmt. Heute befinden sich hier verschiedene  Anstalten.

Nicht alle wissen, dass in den Vorkriegsjahren trug Mezhigorskaja-Str. eine Zeitlang den Namen des bekannten jüdischen Schriftstellers Icchok Leybusch Perets (in der Zeit trugen auch die benachbarten Straßen die Namen von Klassikern der jüdischen Literatur: heutige Konstantinovskaja-Str. wurde zu Ehren des Schriftstellers Scholom Alejchem, Jaroslavskaja-Str. zu Ehren Mendel Moyher-Sforim genannt). Letztendlich wurde doch der Straße ihren historischen Namen zurückgegeben.

Einige Jahrzehnte zuvor konnte man auf der Mezhigorskaja-Str. neben den soliden Mietshäusern einen älteren kleinbürgerlichen Aufbau sehen; jetzt ist dieser verschwunden.

 

Mezhigorskaja-Str. in 1910-er:  verschwundener Aufbau Zweistockiges Haus auf Mezhigorskaja-Str.  15, an der Kreuzung mit der Unteren Walle  (Foto 1970-er., abgerissen) Haus auf Mezhigorskaja-Str. 39, Ecke der Wvedenskaja-Str.

 Eines der ältesten heil gebliebenen Häuser auf dieser Straße unter Nr. 39 liegt an der Ecke der Wvedenskaja-Str. Das ist ein zweistöckiges Gebäude mit dem Keller, ist mit schlichten, doch ausdrucksvollen Stuckdetails ausgestattet. Es gehörte dem Unteroffizier a.D. Pjotr Titir, der ein hier liegendes, unansehnliches Häuschen im Jahre 1900 wesentlich umgebaut hatte.  

1970-80-er entstanden am Ende der Straße die Bauwerke im modernen Baustil, wie z.B. das Gebäude des ehemaligen Feuerwehrdienstvorstandes (heute hat hier seinen Sitz der Vorstand des Ministeriums für Katastrophensituationen des Kiewer Gebietes, an dessen Fassade Gedenktafel mit der Büste des Helden der Sowjetunion Leonid Teljatnikow angebracht worden ist. Er war einer der Teilnehmer der Unfallfolgenbeseitigung der Tschernobiler Katastrophe und arbeitete in diesem Haus).

Doch in der letzten Zeit berücksichtigen die Bauherren das unter dem Denkmalschutz stehende Milieu dieses Teils der Unterstadt Podol und hier entstehen Neubauten im „nostalgischen“ Stil.

Ende 90-er wurde auf der Mezhigorskaja-Str. 11 ein Office-Baukomplex errichtet, der recht gut die Stilistik vom ukrainischen Barock wiedergibt. Hier befindet sich eine Filiale des Finanzministeriums.  

Gedenktafel  für Leonid Teljatnikow

 

 

 

 

 

 

 

Neues Haus auf Mezhigorskaja-Str. 12, Ecke der Choriv-Str. Rekonstruiertes Gebäude des Finansministeriums auf Mezhigorskaja-Str. 9

Mezhigorskaja-Str bleibt bis heute ein untrennbarer Teil der alten Unterstadt Podol. In deren „Biographie“ tauchen ab und zu die neuen, interessanten Seiten auf.