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Der weise Kreidefelsen, 343 m Höhe, neben Stadt Belogorsk, Krim, 2009
 
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Der weise Kreidefelsen, 343 m Höhe, neben Stadt Belogorsk, Krim, 2009
Freitag, 07 Oktober 2022

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Artikel >  Kiewer Kastanien

 

 

Еugen SKIBIN, Guide-Dolmetscher von «Prime Excursion Bureau“, gebürtiger Kiewer.

 Die prächtigen Kastanienbäume mit weiß–rosa Blüten sind schon längst  für die Kiewer sowie Gäste unserer Stadt als  Kunst- und Musiksymbol Kiews geworden. Die wunderbare lyrische Musik und ungewöhnliche Poesie der berühmten Kunstschaffenden der Ukraine – des Komponisten P. Maiboroda  und Dichters A. Malischko vereinigten sich im „Kiewer Walzer“, der mit dem bekanten Vers  beginnt: „wieder blühen die Kastanien… http://www.youtube.com/watch?v=0-Yfx754vTM“   

 

 Die Blütezeit der Kastanienbäume  bedeutet den Beginn  eines echten üppigen Frühlings, als die Hauptstadt vollkommen in Grün gebettet ist. Diese Zeitperiode fällt gleichzeitig mit dem markantesten Frühjahrsfest   - dem „Stadtfest“ zusammen, welches am letzten Wochenende im Mai Monat gefeiert wird. So eine ganze Menge von blühenden Kastanien würde man kaum in einer anderen Stadt Europas oder der Welt sehen. Nach der Einschätzung der Anstalt „Kiewselenstroi“ (sie befasst sich mit der Anpflanzung von Grün in der Stadt) soll der Kastanienbestand in Kiew über ca. 1 Mio. Bäume zählen, welche im tiefen Herbst über 30.000 Tonnen Kastanienfrüchten „abwerfen“!    

Nicht zufällig wurde in der Mitte des 20. Jahrhunderts der stilisierte Kastanienzweig zum Hauptbestandteil des Wappens Kiews

Es ist sicherlich interessant einen Exkurs in die Geschichte der Wappen unserer Stadt zu machen: 

Seitdem Kiew das Magdeburger Recht im XV. Jahrhundert erwarb, war auf dem  Magistratsiegel eine Hand mit dem Bogen dargestellt, was  die Hauptverteidigungswaffe gegen die Angriffe  der Außenfeinde symbolisierte. Dies war das erste den Historikern bekannte Wappen Kiews.

Ende des  XVII. Jahrhunderts erhielt Kiew nach dem Erlass  von Katharina II ein neues territoriales Wappen – Darstellung von Erzengel Michael. Eine Tendenz die alten Stadtwappen durch die territorialen zu ersetzen war bezeichnend für die Ukraine der Katharinas Zeiten. 

1918 beabsichtigte man im Projekt des neuen Stadtwappens die beiden Symbole samt Dreizack  zu vereinen. Doch schon im nächsten1919 Jahr wurden alle „konterrevolutionären“  Wappen durch die „Bolschewiken“ bzw. Kommunisten entfernt.  

1969 erhielt Kiew ein neues Wappen -  einen slawischen nach der Form Schild; oben sind Hammer und Sichel, unten  – Medaille  „Goldener Stern“ Helden der Sowjetunion angebracht (Kiew hat Status einer Heldenstadt); auf dem rot- hellblauen Hintergrund (Farbe der Flagge von ex- Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik) oben – Inschrift „Kiew“; im Zentrum befand sich die Darstellung des blühenden Kastanienzweiges (dabei hatten die Blätter und die Blüte  eine  exakt geordnete Form, welche durch die Darstellung des ursprünglichen Emblems Kiews – Bogen, durchgeschnitten war.

 1995 nach dem Beschluss des Stadtrates   kehrte die Hauptstadt zum vorrevolutionären Wappen – Darstellung des Erzengels Michael – zurück, welche jedoch einer Änderung unterzogen wurde. 

 
Schevtschenko- Boulevard  mit pyramidalen Pappeln 

Und jetzt kommen wir zu unserem Hauptthema über die Kiewer Kastanien zurück, welche für die Kiewer nach wie vor eines der bedeutenden Symbole der Stadt bleiben. 

Die Kastanie wurde in der Tat zum verbreitesten „Kiewer“ Baum  relativ neulich.  Es gibt einige Versionen darüber, wie dieser Baum nach Kiew kam, weil dessen Heimat  Balkan ist und bei uns hat er sich wohl gut eingelebt. 

Laut der städtischen Legende sollte die Boulevardchaussee bzw. Bibikow-Boulevard (heute Schevtschenko- Boulevard)  gerade mit Kastanien 1842 am Vorabend der folgenden Ankunft des Zaren Nikolai I bepflanzt werden,  welcher die St. Wladimir-Universität (heute – Kiewer Nationaluniversität namens T. Schevtschenko) betreute.  Die Setzlinge dieses exotischen Baums sind von Generalgouverneur  Kiews Herrn Bibikow aus Balkan nach Kiew gebracht worden.

Der mit seinem Gefolge durch die Boulevardchaussee fahrende Zar  Nikolai I wurde doch  von der Anpflanzung nicht beeindruckt. Der  Imperator wünschte angeblich statt der ungeformten Setzlinge die „schlanken“ pyramidalen Pappeln sehen. In einer Nacht wurden alle Kastaniensetzlinge ausgerodet und an deren Stelle die Pappeln gepflanzt. Die Städter ließen doch die weg geschmissenen „ungewohnten“ Bäume nicht eingehen und hatten diese in ihren Höfen ausgepflanzt.

Die klimatischen Bedingungen und der Grund erwiesen sich sehr günstig für diese anspruchslosen Pflanze und die Kastanienbäume konnte man schon in vielen Garten und Parks sehen, sie schmückten auch die Straßen und Grünanlagen der Stadt. Diese prächtigen Bäume wurden mit der Zeit für die Kiewer so gewohnt und lieb, dass viele Städter überzeugt sind, diese Bäume  in Kiew immer gewachsen wären.        

 Einige Quellen, wie z.B.,  „Geschichte der Stadt Kiew“ (1799-1800) bezeugen, dass die Kastanien schon in XVII – XVIII. Jahrhunderten bei uns zum Vorschein kommen sollten.  Sie schmückten die Nebenwirtschafthöfe  der Kiewer Klöster, Gärten  der Stadtvillen reicher Kiewer.  

Heute kann man die Kastanienbäume tatsächlich auf jeder Straße sehen. Und die erste Kastanienallee entstand in 40-er Jahren des XIX. Jahrhunderts direkt im Stadtzentrum,  und zwar auf dem Gelände des alten Fomin- Botanischen Gartens, welcher sich hinter dem Gebäude der Nationalen T. Schevtschenko-Universität befindet. Die Mehrheit von hiesigen Kastanien  ist schon über 150 Jahre alt. Sie sind eigentlich gar nicht die ältesten.

Gorky-Straße   Wappen Kiews der Sowjetzeit 

Die Historiker sind der Ansicht, dass das Alter einiger Kastanien auf dem Territorium des Kiewer Höhlen-Klosters  kann sogar über dreihundert Jahre zählen. Es ist doch nicht die Grenze. Es ist bekannt, dass neben dem Kloster der Heiligen Dreifaltigkeit (Kitajevo- Einsiedelei) eine Riesenkastanie wächst, welche von dem Metropoliten Pjotr Mogila gepflanzt werden sollte  – dem hervorragenden religiösen Aufklärer, Gründer der Kiewer „Brüderschule“, die mit der Zeit zur ersten Akademie vom europäischen Muster in Russland wurde. Der von ihm gepflanzte Kastanienbaum ist vermutlich über 350 Jahre alt. 

 

 In 60-70-er Jahren des vorigen Jahrhunderts beteiligten sich  die Kiewer aktiv an der „Begrünung“ ihrer Höfe und Grünanlagen im Stadtzentrum während der sog. „Subbotniki“ (ab und zu fanden samstags die freiwilligen Massenveranstaltungen statt, deren Ziel manchmal auch die Anpflanzung von Grün war), wobei  vorwiegend die Kastaniensetzlinge angepflanzt wurden.   Diese märchenhaften Bäume haben sich hier vorzüglich akklimatisiert, ihre zweite Heimat gefunden sowie eine Sonderatmosphäre geschaffen, die nur für Kiew kennzeichnend ist.   

 Die Kiewer können heute darauf stolz sein, dass ihre liebe Stadt für eine der grünsten Städte Europas gegolten wird -  das Verhältnis der Grünfläche zur Gesamtfläche der Stadt beträgt ca.  65%!  Es ist sehr erwünscht, damit sich diese Angaben nicht im Rücklauf ändern würden, weil in der letzten Zeit eine negative Tendenz  der Bebauung des zentralen Stadtteils beobachtet wird.  Viele Bauplätze entstehen leider innerhalb des Grüngürtels, wodurch sowohl die Kastanien, als auch andere Bäume vernichtet werden.  

Einige Jahre hindurch wird ein merkwürdiges „Verhalten“ der Kastanien beobachtet: im September und manchmal auch Anfang  Oktober  erleben einige Bäume wiederholte Blütezeit. Diese Erscheinung kann sich durch globale Erwärmung sowie problematische Ökologie in der Stadt erklärt werden. Dies betrifft in der Regel die Bäume, welche längs der Verkehrsstraßen wachsen. Die Lufttemperatur hier ist immer etwas höher, als in den Parks, die Feuchtigkeit ist  niedriger und einige Abgase wirken als Wachstumstimulator. Diese Blüte gibt keine Früchte, trocknet schnell ein und der Baum  geht in den Zustand der Ruhe hinüber. Das ist eine der Erklärungen dieser anomalen Erscheinung.  


Die Kastanien sind schon abgeblüht und „bewarfen“ Kiew mit unzähligen glänzenden braunen Kugeln in grünen  Stachelschalen, welche die Kinder sowie die Erwachsenen gerne sammeln und  nach Hause als Zeichen des vergangenen Sommers mitnehmen… Und mit dem Anbruch   des Frühjahrs wird unser schönes Kiew erneut durch üppige weiß-rosa Blüte aufleben und uns - Kiewer, wie auch viele Gäste unserer  Stadt in dieser wunderbaren Jahreszeit erfreuen. 

Herbstblühte  Kastanie aus Bronze  im Marien-Park

Kommen Sie auch zu uns im Frühling, um selber  die einmalige und festliche Schönheit der blühenden Kastanien – das unvergängliche Symbol Kiews genießen zu können!   

 

Oktober  2012.