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Ortschaft Chodosovka, uralte „Schlangenwälle“, Kiewer Gebiet.
 
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Ortschaft Chodosovka, uralte „Schlangenwälle“, Kiewer Gebiet.
Dienstag, 16 August 2022

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Artikel > Mariä Schutz und Fürbitte: ab Konstantinopel bis Kiew

„Kosaken-Fest von  Mariä Schutz und Fürbitte“

 

 Grigori MELNICHUK,
Catherine SKRIPNIKOVA, Journalisten
 

14. Oktober – Tag von Mariä Schutz und Fürbitte. Es gibt in Kiew über zehn Kirchen mit diesem Namen. Laut einer Legende soll sich dieser Feiertag unmittelbar auf die Kiewer Fürsten Askold und Dir sowie die erste Taufe/Christianisierung in Rus beziehen.

 Laut kirchlicher Historiographie sollte das Wunder am 1. Oktober (14. Oktober nach neuer Zeitrechnung) 910 in der  Blachernenkirche während des Gebetes  für den Schutz von Konstantinopel gegen die heranrückenden Araber erfolgen, indem die Muttergottes die „Verhüllung“ über den Gläubigen  ausgebreitet  hätte. Es existiert eigentlich noch eine Legende. Diese bezieht sich auf das Wunder, welches einige Jahrzehnte früher erfolgen sollte und auf eine direkte „Verbindung“ jener Ereignisse mit Kiew zeigt.

Nach dieser Legende sollten sich die Kiewer Fürsten Askold und Dir (damals waren die beiden noch Heiden) mit ihrem Heer im Jahre 860 dem Tor  von Konstantinopel nähern.  Die Einwohner der Stadt versammelten sich in der Blachernenkirche zum Gebet vor dem Antlitz der Muttergottes, die als Schützerin der Stadt galt.   Man hatte das in der Kirche aufbewahrte Messgewand von Muttergottes in die Wässer der Bucht Goldenes Horn runtergetaucht – und die Jungfrau Marie erschien vor den Städtern. Sie nahm von sich das Bahrtuch ab und hatte damit die Konstantinopler verhüllt, wodurch sie für die Feinde unsichtbar geworden wären.  Durch dieses Wunder bezaubernd, ließen sich die Krieger mit dem Fürsten Askold an der Spitze taufen  (der Fürst Dir ist doch Heide geblieben). In Kiew zurückgekehrt, begann Askold die Anfänge des Christentums in der Rus zu fördern. Es ist kein Wunder, dass gerade das Fest von Marie Schutz und Fürbitte für die ukrainischen Krieger – Kosaken zu einem der mehr verehrten wurde. Es gibt in Kiew zurzeit Dutzende von Kirchen, Kapellen und Klostern mit diesem Namen.

Kirche im Stadtbezirk Solomenka

Kloster im Stadtteil  Lukjanovka

Kosakenkirche im Stadtbezirk Otradny

Kirche auf Priorka

Kloster in Ortschaft Golosejevo

Kirche in der Unterstadt Podol

Obolon, Pirogovo etc. 

Der Stadtteil Solomenka ist an architektonische Denkmäler nicht reich. Doch in der Nähe des Süd-Bahnhofes ist ein ganzer Baukomplex von alten Bauwerken der sog. „Eisenbahnkolonie“ erhalten: einige 3-4-Etagewohnhäuser, eine Schule und  Marie Schutz und Fürbitte-Kirche, die 1897 gebaut worden ist. Eine längere Zeit galt wohl der Stadtteil Solomenka für ein separates Städtchen (bis Oktoberrevolution versuchten die einheimischen Einwohner Solomenka sogar als souveräne Stadt Alexandrija zu proklamieren). Heutzutage werden neben der Kirche traditionsgemäß die  Lebensmittelmessen veranstaltet. An diesen Tagen sieht alles so aus, als ob  die Marie-Schutz- und Fürbitte-Kirche  die Hauptkirche einer kleinen Stadt sein, wo die Leute aus benachbarten Dörfern und Siedlungen zum Markt zusammengekommen sind. In atheistischen 1930-er Jahren ist die Kirche in Mitleidenschaft gezogen worden: die Kuppeln wurden abgetragen und umgeschmolzen und in Kirchenräumen eine Schneiderwerkstatt untergebracht. Erst in 2000-en  wurden die Kuppeln in ursprünglichen Formen wiederhergestellt.

Marie Schutz- und Fürbitte- Nonnenkloster in der Bechterovsky- Gasse wurde am 11.Januar 1889 von der Großfürstin Alexandra Petrovna Romanova gegründet und hatte nicht nur kirchliche Bedeutung, sondern wurde auch als Krankenhaus für die unbemittelten Kiewer benutzt.  Nachdem die Großfürstin 1879 nach Kiew übersiedelte und sich von einer schweren Krankheit erholte, hatte sie ihr ganzes Vermögen für den Bau des großen Klosterkomplexes nach dem Entwurf des Architekten Wladimir Nikolajev gespendet. Außer Kirchen inkl. Marie Schutz- und Fürbitte-Kathedrale und anderer Sakralbauwerke, beinhaltet dieses Projekt eine Reihe von Behandlungseinrichtungen: Krankenhaus mit therapeutischen und chirurgischen Abteilungen wo die Kranken unentgeltlich behandelt wurden, Obdach bzw. Zufluchtsort für die Obdachlosen und Apotheke, wo die Medikamente gratis ausgegeben wurden. Das Krankenhaus war nach dem letzten Stand der Technik ausgestattet – gerade hier befand sich der erste Röntgenraum in Kiew. Hier waren die professionellen Ärzte tätig und viele Nonnen arbeiteten als Krankenschwestern; ab und zu beteiligte sich an Operationen als Assistentin selbst die Fürstin.

1925 wurde das Kloster geschlossen und 1942 von neuem geöffnet – hier wurde Hospital und dann Lazarett  untergebracht. Dennoch blieb das Kloster auch in den UdSSR- Zeiten aktiv. Einige Räume des Klosterkomplexes besaßen die Vertreter der Rechtsschutzorgane und  Poliklinik. Nach dem Brand 1981 hatten die Nonnen heimlich die Freskomalerei der Nikolaus-Kirche wiederhergestellt. Wie auch in der Unterstadt Podol befinden sich die Nikolaus – und Maria-Schutz und Fürbitte-Kirchen in der Nachbarschaft.

Schon im Jahre 1992 begann man in der Nähe der Nationalen Universität für Flugwesen  mit dem Bau des ersten in Kiew privaten ethnographischen Parks „Mamajeva Sloboda“, der am  Brunnen des Flusses Lybid liegt. Dieser Parkkomplex wurde erst im vorigen Jahr geöffnet, doch die Maria-Schutz und Fürbitte-Kirche auf dessen Gelände ist schon einige Jahre aktiv und wurde in der Tat zur Hauptkirche dieses Stadtbezirkes, der in 50-en Jahren mit trostlosen Wohnhäusern (sog. „Chruschtschovki“) bebaut ist.     

Die Holzkirche ist nach dem „Projekt- Gravüre“ von 1660 des durch die Ukraine  gereisten französischen Ingenieurs Guillaume de Beauplan gebaut worden;     auf dieser Gravüre hatte er die Maria-Schutz und Fürbitte-Kirche in Zaporozhskaja Setsch (Zentrum des ukrainischen Kosakentums) dargestellt.  Geist des Altertums wird durch die eigenartigen Kreuze mit Halbmond unterstützt: auf dem Glockenturm – „Sonne der Wahrheit“, Symbol von Jesus Christus, auf der Kirche – „Sonne des Ruhmes“, Symbol von  Mutter Gottes. Ringsum der Kirche sind 38 Steinkreuze zu Ehren der gefallenen Kosaken aufgestellt. So wie Solomenka ist auch Priorka – ehemalige Vorortsiedlung.

 Verständlich ist, dass beliebiges Dorf bzw. Siedlung ohne Kirche unvorstellbar ist. Die hiesige Maria-Schutz und Fürbitte-Kirche ist 1902-1906 nach dem Projekt des Architekten Eugeny Ermakov an der Stelle von Demetrius-Holzkirche gebaut worden. Im Inneren ist eine einmalige Ikonenwand aus Eichenholz mit  der Malerei des bekannten Malers Izhakevitsch zu bewundern.

Die Kirche wurde in der Zeitperiode 1938-42 geschlossen und eine Gemüselagerung drin untergebracht. Zum 100-Jahrestag im Jahre 2006 hatte man deren Kuppel vergoldet. Etwas ungewöhnlich sieht diese alte Kirche in der Umgebung von modernen Hochhäusern aus. Sie steht auf dem Hügel und ist durch eine Grünanlage mit kleinem Friedhof umgeben.

Filiale des Kiewer Höhlenklosters „Lawra“ – Goloseevskaya Pustin (Goloseev-Einsiedelei) – ist 1631 gegründet worden, als damaliger Metropolit Pjotr Mogila eine Kirche hier zu Ehren des moldauischen Märtyrers Ioann Nowij (Sotschavsky), Patrons der Dynastie  Movila gebaut hatte. Der Baukomplex wurde vielmals umgebaut bis 1923 die dem Kloster angehörende Wirtschaft einem Landwirtschaftlichen Institut übergeben wurde. Die Klostergebäude wurden zweckwidrig benutzt – hier befanden sich  die Lager, ein Klub, Elementarschule, Pionierlager und in 30-er Jahren wurde das Kloster gesprengt… Erst 1993 wurde Goloseevskaya Pustin (Goloseev-Einsiedelei)  wie auch Pokrovsky (Maria-Schutz und Fürbitte)- Mönchskloster ins Leben gerufen. In 2000-en Jahren entfaltete sich hier eine mächtige Bautätigkeit: nach dem ursprünglichen Projekt des Architekten Eugeny Ermakov wurden sowohl die Kirche als auch andere Klosterbauwerke wiederhergestellt.

Maria-Schutz und Fürbitte-Kirche in der Unterstadt Podol im Baustil vom ukrainischen Barock stammt aus dem Jahr 1766 und ist nach dem Projekt des Architekten  Grigorovitch-Barsky gebaut worden. Diese Kirche ist eines der wenigen Bauwerke in Podol, welche die größte Feuersbrunst von 1811 überstanden hatten. Sie befindet sich auf der gleichnamigen gemütlichen Straße. In der Nachbarschaft hat hier heute der amerikanische Botschafter seine Residenz. Im Kirchenhof steht ein zweirangiger Glockenturm und an der gegenüber liegenden Straßenseite befindet sich noch ein Glockenturm der Nikolaus-Kirche, die leider nicht erhalten ist.

 Es ist so vorgekommen, dass die Maria-Schutz und Fürbitte-Kirchen häufig zu Hauptkirchen in den entfernten Kiewer Stadtteilen wurden. Es ist auch der Fall im Stadtbezirk Obolon. Die Hauptkirche der neuen Wohnsiedlung befindet sich am Obolon-Kai. Die Kirche ist im modernen Baustil errichtet.

Eine echte Rarität kann man im Freilichtmuseum „Pirogovo“ sehen: Maria-Schutz und Fürbitte- Holzkirche des XVII. Jahrhunderts aus dem Transkarpatien-Dorf Kanora, die auch heute aktiv ist. Es gibt auch die Maria-Schutz und Fürbitte-Kirchen in der Ortschaft Bortnitschi und auf dem Gelände des Militärhospitals; die gleichnamige Kapelle besitzt das juristische Lyzeum.

 Meinungen bzgl. Kirchennamens: 

Pater Evstratii ZORYA,
Presse-Sekretär der Ukrainischen Orthodox-Kirche Kiewer Patriarchats:

 — Einerseits ist  Maria-Schutz und Fürbitte ein historisches Ereignis, andererseits - Fest der Jungfrau Maria, die um die Gläubigen betet und  streckt ihr Bahrtuch über alle aus, wer sich an sie um ihren Beistand wendet. Dieses religiöses Fest verehrten besonders die Kosaken: im Zentrum des Kosakentums „Zaporozhskaja Setsch“ bauten die Kosaken Maria-Schutz und Fürbitte-Kirchen; in der Ukraine entstand sogar ein Sondertyp von Ikone – sog. „Kosakenbahrtuch“ mit der Darstellung von Jungfrau Maria, die ihr Bahrtuch über Hetmans, Kosaken, Priester ausstreckt.

 „Dieses Fest ist geistiges Symbol des Volkes“  

 Nikolai BURAWSKY,
Volkskünstler der Ukraine, Folklorist, Generalleutnant des Zaporozhje-Kosaken- Heeres:  

— Festtag des ukrainischen Kosakentums wird am 14. Oktober, dem gleichen Tag wie auch Maria- Schutz und Fürbitte-Festtag gefeiert. Zu Feldzügen tragen die Kosaken immer die Maria- Schutz und Fürbitte-Ikone mit. Und nachdem die Imperatorin Katharina II das Kosakenzentrum „Zaporozhskaja Setsch“ 1775 auflöst hatte, wanderten die Kosaken nach  „Trans- Donau- Setsch“ aus, die Maria- Schutz und Fürbitte-Banner  mitgenommen… Schon während des Zweiten Weltkrieges trugen die Kämpfer der Ukrainischen Aufstandsarmee die Maria- Schutz und Fürbitte-Ikone als ihr nationales Heiligtum. Feiertag der „Heiligen Waffe“ von der Ukrainischen Aufstandsarmee wird am gleichen Tag der Maria- Schutz und Fürbitte gefeiert. Daraus folgt, dass „Maria- Schutz und Fürbitte“ geistiges Symbol des ukrainischen Volkes ist.

Nach den Unterlagen der Zeitung „Gaseta po Kiewsky“ („Kiewer Zeitung“)

Oktober 2010.